Gewerbe und Industrie stehen für etwa die Hälfte des Energieverbrauchs in Deutschland. Wer Effizienz, klimafreundlichen Verbrauch oder nachhaltigere Energie nach vorne bringen will, muss auch in der Wirtschaft ansetzen. Der „Leitfaden Firmenenergie“ von UnternehmensGrün zeigt, was Unternehmen tun können und wo die Politik nachsteuern muss. Welche Möglichkeiten der praktischen Umsetzung der Energieerzeugung auf dem eigenen Firmengelände es gibt, wird anhand von zehn Unternehmensbeispielen aufgezeigt, die das Finale des „Wettbewerbs Firmenenergie 2019“ erreicht haben. In einer Beitragsreihe werden diese nun in Auszügen vorgestellt.

Kornkraft Naturkost GmbH: Low Tech-Lösung steigert die Effizienz

Foto: Kornkraft Naturkost GmbH

Mit Low-Tech zur Effizienzsteigerung – das war das erklärte Ziel, welches sich die Kornkraft Naturkost GmbH zur Kühlung ihres Lebensmittellagers gesetzt hat. „Lange waren wir auf der Suche nach einer klimafreundlichen und kostengünstigen Alternative zu herkömmlichen Klimaanlagen. Da wir nichts finden konnten, was unseren Ansprüchen gerecht wurde, haben wir unsere neue Klimaanlage schließlich gemeinsam mit dem der Universität Oldenburg selbst entwickelt“, erklärt Jochen Schritt, Leiter des Projektes bei Kornkraft.

Gerade in den Sommermonaten ist die Kühlung des Lebensmittellagers besonders wichtig – aber auch besonders aufwendig. Und genau hier setzt die neue Low-Tech-Lösung an. Das Prinzip ist erstaunlich einfach: Zur Kühlung wird in den warmen Sommermonaten ab einem Temperaturunterschied von zwei Grad Celsius kühle Nachtluft eingesogen und ins Lager geblasen. Ein Feuchtigkeitssensor stellt dabei sicher, dass die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ist. Stromeinsparungen bis zu 81 Prozent und eine Senkung des CO2-Ausstoßes um bis zu 83 Prozent sind so problemlos möglich. Der Clou: Dank ihrer einfachen Bestandteile ist die Klimaanlage sehr langlebig und wäre in vielen Unternehmen einsetzbar. Einige Naturkostläden in Niedersachsen testen bereits die klimafreundliche Anlage.

Zwar wird für den Kühllagerbereich, in dem Obst, Gemüse, Molkereiprodukte und andere kühlpflichtige Lebensmittel gelagert werden, immer noch ein klassisches Kühlsystem benötigt. Doch die Abwärme der Kühlanlage wird in einen Wärmespeicher überführt und so zum Heizen genutzt. Der Lagerkomplex wird bei Kornkraft mit einen Holzvergaserkessel beheizt, der die Ölzentralheizung abgelöst hat. Die Heizenergie kann so für den Lagerkomplex komplett und für den Gesamtbetrieb zu 95,5 Prozent aus regenerativen Quellen und durch Abwärmenutzung gedeckt werden. In den Sommermonaten fällt besonders viel Abwärme aus den Kühlanlagen an, die dann nicht mit der Heizung verbraucht werden kann. Diese Wärme nutzt Kornkraft für das heiße Wasser der Kistenwaschanlage.

Dr. Födisch Umweltmesstechnik AG: Schritt für Schritt zum umfassenden Konzept

Foto: Dr. Födisch Umweltmesstechnik AG

Das Energiesystem der Dr. Födisch Umweltmesstechnik AG in Markranstädt wächst seit Jahren: Schon 1998 wurden BHKW installiert, 2011 großflächig Solarpanel in Betrieb genommen und 2015 die ersten Batteriespeicher für Sonnenstrom aufgebaut. Inzwischen decken Solaranlagen, Mikrogasturbinen, ein Hackschnitzelkessel, mehrerer Strom- und Wärmespeicher und Absorptionskältemaschinen einen Großteil des Energiebedarfs des Unternehmens.

Die Stromspeicher sorgen dafür, dass der Überschussstrom der sechs Photovoltaikanlagen und der vier freistehenden Solartracker weitgehend selbst genutzt wird. Die beiden Mikrogasturbinen liefern Strom, Wärme und indirekt auch Kälte, indem sie bei Bedarf die beiden Absorptionskältemaschinen mit Energie versorgen.

Damit hat die Dr. Födisch AG im Jahr 2019 bereits 72,3 % des Eigenbedarfs an Strom erzeugt. Zusätzlich wird ein Teil des erzeugten Stroms in das öffentliche Netz eingespeist. Der Wärme- und Kältebedarf ist durch die vorhandenen Anlagen bereits vollständig abgedeckt. Ziel ist es, 60% des Bedarfs an elektrischer Energie mit Photovoltaikanlagen zu decken. Dazu wird die 3000 Quadratmeter große Fläche des Daches der neuen Fertigungshalle mit Photovoltaikelementen ausgerüstet.

Dr. Holger Födisch will zeigen: „Man kann tatsächlich mit Erneuerbaren Energien die Strombezugskosten signifikant senken und die Umwelt entlasten.“

SonnenPlan: Organisation ist alles

Foto: SonnenPlan

SonnenPlan nutzt fast jeden Quadratzentimeter Außenfläche auf dem Firmengelände für Photovoltaikanlagen und hat sogar einen Weg gefunden, Abfallprodukte zur Energiegewinnung einzusetzen: Da viele Verpackungen der angelieferten Produkte aus Holz bestehen, hat sich das Unternehmen einen Holzschredder und eine Holzhackschnitzelanlage zur Heizung in die Lagerhalle gestellt.

Angefangen hat bei SonnenPlan alles mit Photovoltaikanlagen, inzwischen bietet das Unternehmen aus Zweibrücken Produkte und Dienstleistungen rund um Energiegewinnung und Gebäudesanierung an. Eine solche Rundum-Lösung deckt auch bei SonnenPlan selbst alle Energiesektoren ab: Wärme, Kälte, Strom und Mobilität sind gekoppelt.

Die Haustechnikanlage des Firmenneubaus basiert folgerichtig auch auf Photovoltaik. Die Anlagen sind verbunden mit einem Batteriespeicher, einer Wärmepumpenanlage, welche die Büros heizt und kühlt, einem Wärmespeicher, einer Lüftungsanlage mit Wärme- und Feuchterückgewinnung und mit sechs Ladesäulen für E-Fahrzeuge. Die Lagerhalle wird mit einer Holzhackschnitzelanlage beheizt. Das spart zusätzlich Ressourcen, denn die Hackschnitzel stellt SonnenPlan selbst her – aus Verpackungsabfall, der ohnehin anfällt. So spart das Unternehmen nicht nur Heizkosten, sondern reduziert auch zugleich seine Abfälle.

HEG – Heidelberger Energiegenossenschaft: Brückenschlag zum Bürgerstrom

Foto: HEG

Die Heidelberger Energiegenossenschaft (HEG) hat ein klimafreundliches Konzept zur Energieversorgung dreier Mehrfamilienhäuser und für rund 100 Personen entwickelt. Die Energiegenossenschaft baut zwei Photovoltaikanlagen mit insgesamt 87,36 kWp auf den Dächern der Baugruppe „WoGe Mark Twain“. Daneben umfasst das Konzept Mieterstrom, einen optimierten Stromspeicher, Smart Metering, Lastverlagerung von Zeiten mit niedrigem Bedarf in Zeiten mit hohem Bedarf und E-Mobilität.

Die CO2-Emissionen werden so laut HEG um 50 Tonnen CO2 pro Jahr (t CO2/Jahr) gesenkt und liegen damit fast ein Fünftel niedriger als in vergleichbaren Gebäuden. Insgesamt gehen die CO2-Emissionen laut HEG auf t CO2/Jahr zurück. Die Büro- und Verwaltungstätigkeiten der HEG selbst werden vorwiegend in Privaträumen innerhalb der Baugruppe ausgeführt, die zu 100 % mit Ökostrom versorgt sind.

Die Bewohner des generationenübergreifenden Projektes werden künftig mithilfe einer Photovoltaikanlage und eines Stromspeichers mit eigenem Strom und E-Mobilität versorgt. Das Mobilitätskonzept für die WoGe Mark Twain beinhaltet auch E-Carsharing, die gemeinschaftliche Nutzung ist bei allen Aspekten mitgedacht. Durch die Kombination kann jede der eingesetzten Technologien sinnvoller genutzt werden: Smart Meter, also intelligente Zähler, die den Stromverbrauch nahezu in Echtzeit übermitteln sowie E-Mobilität und Stromspeicher ermöglichen eine von der Produktion entkoppelte und somit effizientere Stromnutzung.

Das Projekt „Unternehmensstrom – Praxisnetz und Etablierung von Demonstrationsbetrieben“, in dessen Rahmen der Leitfaden Firmenenergie entstanden ist, wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Bei Interesse an einer gedruckten Ausgabe des Leitfadens, bitte eine Mail an keich@unternehmensgruen.de.