In einem Interview mit dem Deutschen Architektenblatt berichtet Ines Wrusch, Innenarchitektin und Mitglied bei UnternehmensGrün, über ihre Erfahrungen in der Corona-Zeit.

Die Coronakrise hat uns noch immer voll im Griff. Wir müssen uns separieren. Ist das auch bei Ihnen in den Büros so? Arbeiten jetzt alle im Home-Office? Gibt es Kurzarbeit? Wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitenden? 

Ines Wrusch: Ich habe ein kleines Büro. Meine eine Angestellte arbeitet ohnehin von zu Hause. Sie kommt einmal die Woche ins Büro, damit wir ein paar Sachen besprechen können. Das entfällt derzeit. Alles andere mache ich eh mit freien Mitarbeiter_innen, die nicht bei mir im Büro sind. Ich selber habe mein Büro in einer Bürogemeinschaft mit mehreren Leuten, so dass ich mich auch ins Home-Office zurückgezogen habe.

Werden Sie diese Prozesse und Techniken, die Sie jetzt vielleicht erstmalig oder in hoher Frequenz nutzen, dauerhaft beibehalten – sprich: Werden die Büros generell flexibler und digitaler werden?

IW: Ja. Im Internet geht man nach viel kürzerer Zeit auseinander und hat die Tagesordnung abgearbeitet. Das ist einfach viel effizienter. Was mich daran stört ist, dass es keinen direkten Augenkontakt mehr gibt. Gerade in kleiner Runde ist es mir total wichtig, dass ich Augenkontakt habe und ein Gefühl für die Menschen. Das vermisse ich, beruflich und privat.

Nochmal zur Kurzarbeit: (…) Wie ist das in Ihren Büros? Gibt es eine ökonomische Notwendigkeit dafür?

IW: Ich war die letzten Jahre mit einem für meine Verhältnisse großen Projekt beschäftigt, das vor Kurzem fertig geworden ist. Ich hatte mich deshalb erstmal um all das gekümmert, was liegen geblieben war: neuen Rechner angeschafft, neue Website, zwei zusätzliche Ausbildungen gemacht. Ich wollte jetzt gerade wieder raus auf den Markt, da kam die Kontaktsperre. Das war natürlich ein blöder Zeitpunkt. Ich habe aber gerade mit einem privaten Bauherrn per Video den Beginn eines Projektes vereinbart. (…) Ich denke, die ökonomische Krise kommt mit Zeitverzögerung. All das, was ich jetzt nicht arbeiten kann, kann ich in 6 Wochen auch nicht in Rechnung stellen. Das heißt, bei mir verschwindet die Liquidität erst später, so denn die Auftragslage nicht wieder anzieht. Ich mache mir schon Gedanken, denn ich befürchte, dass Projekte auf meinem Feld, der Umbau von Wohnhäusern oder Büro- und Geschäftsräumen, weniger werden. Alles, was nicht absolut notwendig ist, wird storniert. Ich sehe Kolleg_innen, die für Hotels planen: Da geht derzeit offenbar gar nichts mehr und bis sich die Hotelbranche erholt und wieder investiert, könnte es dauern.

Es gibt viele neue rechtliche Regelungen, aber auch finanzielle Unterstützung von Bund, Ländern und Kommunen. Es ist schwer, den Überblick zu behalten. Wie informieren Sie sich? Wie schaffen Sie es, das Wichtige von dem Unwichtigen zu trennen und die essentiellen Informationen zu bekommen?

IW: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass in diesen Zeiten Netzwerkstrukturen eine wunderbare Hilfe sind.  (…) Dabei geht es um Informationstransport, aber eben auch darum, zu fragen, wie geht es dir so. Das hilft enorm. Diese Form des Austauschs und der Solidarität ist ein tolles Pfund, mit dem man jetzt wuchern kann.  (…)

Es gibt mittlerweile finanzielle Unterstützung von Bund und Land, als Einmalzahlung oder Darlehen. Hat das jemand beantragt und lief das reibungslos? Hilft das, oder ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

IW: Es zeigt sich: Es sind die kleinen Büros, die sofort in Notlagen geraten können. Wenn ein, zwei Projekte auf Eis gelegt und Baustellen stillgelegt werden und du hast nur wenige Projekte laufen, dann war’s das ganz schnell. In meinem privaten Umfeld mit Kunsthandwerker_innen, Therapeut_innen usw. kann ich beobachten, dass die finanziellen Unterstützungsmaßnahmen zu einer gewissen Entspannung geführt haben.

(….)

Foto: Friedrun Reinhold

Ines Wrusch führt mit Begeisterung seit Ende der 90er Jahre ihr Innenarchitekturbüro in Hamburg und ist eben solange Mitglied bei UnternehmensGrün. Für sie ist klar: Ökologie ist die Lehre der „Wechselwirkung von Lebewesen mit ihrer Umwelt“  und je bewusster wir mit diesem Wissen Raum gestalten, umso größer ist die Freude am Leben! Sie träumt davon, mitten in der City ein „Restaurant der Stille“ entwerfen zu dürfen, in dem die Gäste in aller Seelenruhe ihren Mittagstisch genießen können mal ganz ohne Gespräche oder digitale Medien. 

Das Interview erschien zuerst im DAB – Deutsches Architektenblatt, Ausgabe 5-2020 Hamburg, Schleswig-Holstein, und wurde mit leichten Änderungen übernommen.