„Was würde auf Ihrem Klimaplakat stehen?“, fragte UnternehmensGrün-Geschäftsführerin Dr. Katharina Reuter die Vertreter der Stahl- und Chemieindustrie beim Grünen Wirtschaftskongress.

„Grüner Stahl geht! Rahmenbedingungen jetzt!“ – so würde das Plakat von Dr. Jens Traupe (Salzgitter AG) lauten. „Chemistry for Future“ war der Vorschlag von Dr. Klaus Schäfer (Verband der Chemischen Industrie). Hintergrund der Frage war das gemeinsame Bekenntnis, dass es nun um einen massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien gehen müsste, damit Stahl- und Chemieindustrie klimaneutral werden können. Katharina Reuter stellte die These in den Raum, dass jetzt die energieintensiven Industriezweige die stärksten Verfechter eines schnelleren Kohleausstiegs und einer schnelleren Energiewende sein müssten – unter dem Motto „Industriell Strejk För Grön Energi“.

„Wie wird die energieintensive Industrie klimafreundlich?“

Diese Frage diskutierten Oliver Krischer (MdB), Dr. Patrick Graichen (Direktor des Think-Tank Agora Energiewende), Dr. Marie-Luise Wolff (Präsidentin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft), Dr. Jens Traupe (Leiter des Bereiches Umweltschutz und Energiepolitik der Salzgitter AG) und Dr. Klaus Schäfer (Vorsitzender des Ausschusses Energie, Klimaschutz und Rohstoffe des Verbandes der Chemischen Industrie, VCI) – moderiert von Dr. Katharina Reuter.

Diskutiert wurde über den Umbau der Chemie- und Stahlindustrie hin zur Treibhausneutralität sowie die technische Möglichkeit dieser Transformation. In der Studie des VCI aus dem Oktober 2019 bekannte sich die Chemieindustrie erstmals dazu, bis 2050 Treibhausneutralität zu erreichen. Diese Ambition der Industrie sei auf die Haltung der breiten Gesellschaft zurückzuführen, die keinen langsameren Wandel zur Klimaneutralität akzeptiere, so Dr. Klaus Schäfer. Die Technologie für eine treibhausneutrale Chemie- und Stahlindustrie sei im Wesentlichen bereits heute vorhanden, da sie aber zum Großteil auf Strom aufbaue, bräuchte es für diese Transformation eine Verdopplung der erneuerbaren Energien. Auch Dr. Patrick Graichen kommt in der Agora-Studie zu dem Ergebnis, dass die Industrien technisch für die Treibhausneutralität schon weit gerüstet seinen und nun die richtigen Rahmenbedingungen brauche. Diese müssten für den Bau der nötigen Infrastruktur in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre sorgen. „Der Knackpunkt 2030 klingt so weit weg, aber politisch gesehen, ist der im Grunde heute,“ so Dr. Graichen.

Die Aufzeichnung der Podiumsdiskussion hier ab Stunde 1:56.

Bündnis 90/Die Grünen und die Industrie – das war lange ein schwieriges Verhältnis. Inzwischen nähern sich die grüne Partei und Wirtschaft an. Die Schnittmenge ihrer Interessen stellt das gemeinsame Ziel dar, den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken. Das zeigte sich am 28.02.2020 auf dem Grünen Wirtschaftskongress in Berlin.

UnternehmensGrün war mit einem Informations-Stand auf dem Markt der Möglichkeiten vertreten. Es gab ein reges Interesse an der Arbeit des Verbandes sowie den verschiedenen Bildungsprojekten.

Am Nachmittag nahm Katharina Reuter an dem von Volker Wieprecht moderierten „Streitgespräch“ mit Dr. Anton Hofreiter (MdB), Dr. Jens Traupe und Karl Haeusgen (Vize-Präsident des VDMA), teil. Hierbei eröffnete sie mit einer Bestandsaufnahme: „Wir haben im Industrie-Panel festgestellt, dass die Wirtschaft in vielen Bereichen bereits viel weiter ist als die Politik. Deshalb gilt die Ausrede „Die Wirtschaft kann nicht, die Wirtschaft will nicht“ einfach nicht mehr.“ Für den innovativen Mittelstand sei der Klimaschutz zudem ganz oben auf der täglichen Agenda. Das sehe man unter anderem daran, dass bereits über 4.500 Unternehmen die Entrepreneurs for Future Initiative unterstützen und sich mit konkreten Forderungen an die Politik wenden.

Das gesamte Streitgespräch hier ab Stunde 3:45.