Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Agenda 2030 der Vereinten Nationen sind politische Leitlinien auf wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Ebene. Doch wie lassen sich Unternehmerinnen und Unternehmen motivieren die SDGs in ihrem Unternehmen zu implementieren und um zu setzen?

UnternehmensGrün führte dazu ein Interview zum Erasmus+ Projekt SDGs Labs mit Johanna Bernhardt vom Terra Institute (UnternehmensGrün-Mitglied). Sie ist Koordinatorin des RCE Europaregion Tirol im Bereich Projektmanagement und Beratung.

Warum beschäftigt sich das Terra Institute mit den SDGs?
Als Terra Institute begleiten wir Unternehmen und entwickeln gemeinsam Wege der Transformation zu einer nachhaltigeren Art zu wirtschaften. Dabei geht es um einen möglichst ganzheitlichen Blick, der die verschiedenen Aspekte von Nachhaltigkeit einschließt.

Die SDGs sind ein guter Ansatz dafür, denn sie schließen ökologische, wirtschaftliche und soziale Ziele mit ein. Sie schaffen dadurch Bewusstsein, dass die großen Nachhaltigkeitsherausforderungen nicht über Einzellösungen bewältigbar sind, sondern nur über gemeinsame Lösungen über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg. Gerade dadurch, dass die SDGs nicht als fixe Zielvorgaben formuliert sind, lassen sie für das einzelne Unternehmen viel Spielraum offen, um den Prozess nach den eigenen Möglichkeiten zu gestalten. Die SDGs können dabei als Impuls für Innovationen und als Ideengeber für bisher nicht Gedachtes dienen.
Was uns aber besonders inspiriert an den SDGs ist die dahinterstehende Vision, niemand zurückzulassen und gemeinsam als Welt-Gesellschaft die notwendigen Anstrengungen zu unternehmen.

Was steckt hinter dem Konzept der SDG-Labs?
“Make the SDGs our business” ist der Slogan unseres Projekts und genau das ist auch unsere Vision. Unternehmen dazu motivieren, sich mit den SDGs tiefer zu beschäftigen und dabei ganz neue Möglichkeiten und Chancen zu entdecken, wie sich Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen verankern kann. Die SDGs nicht nur als „add on“ in prosperierenden Zeiten, sondern als echten Motor für Innovationen zu sehen. Dazu braucht es eine Lernkultur, in der Ausprobieren, Fehler machen und andere Wege zu gehen nicht nur erlaubt, sondern erwünscht sind. Diese Art von Kultur wollen wir über verschiedene Bausteine forcieren.

  • In den Innovation Labs werden Pilotunternehmen zu Laboratorien für kreative, neue Wege, um die SDGs in Innovationen umzusetzen
  • Bei den Co-Learning Labs steht die Vielfalt im Mittelpunkt – VertreterInnen von Unternehmen, Hochschulen oder der Politik inspirieren sich gegenseitig, um kreative Ansätze der Umsetzung der SDGs zu entwickeln.
  • Die SDGs Trainings Academies begleiten Start-ups bei der Umsetzung der SDGs in Businessmodelle bis zur Zertifizierung.
  • Die SDGs Pioneer Academies begleiten etablierte Unternehmen mit bewährten Innovationstools, um die SDGs zur Kernaufgabe zu machen.

Das Besondere: als europäisches Projekt sind wir in vier verschiedenen Regionen vertreten und werden sowohl die SDGs Labs als auch die SDGs Academies in den einzelnen Regionen durchführen– mit Bezug zu den Möglichkeiten, aber auch besonderen Nachhaltigkeitsherausforderungen vor Ort.

Ist das Konzept für bestimmte Branchen besonders interessant?
In diesem Projekt konzentrieren wir uns vor allem auf den Agrar- und Lebensmittelsektor, weil dieser Sektor alle SDGs berührt. Uns geht es aber nicht nur um die Produktion, sondern um ganze Wertschöpfungsketten, die von der Urproduktion bis zum Konsumenten reichen. Damit lassen sich das Grundkonzept und die entwickelten SDGs Labs und SDGs Academies leicht auf andere Branchen übertragen.

Wie reagieren die Unternehmen darauf? Fühlen sie sich von den 17 Zielen und 169 Unterzielen überfordert?
Das war auch unsere Vermutung. Wir haben daher eine Studie an den Anfang unseres Projekts gestellt. In Experteninterviews mit Unternehmen und Verbänden haben wir die Frage nach Barrieren und Hindernissen, aber auch nach Potenzialen und Möglichkeiten der SDGs gestellt. Überraschend war für uns die grundsätzlich positive Einstellung den SDGs gegenüber. Sie werden als Inspiration für das Überdenken des eigenen Unternehmens und als Impulsgebende für vielfältige Nachhaltigkeits-Innovationen betrachtet. Die SDGs werden auch als Rahmen gesehen, um das eigene Unternehmen zu evaluieren und den Impact auf den Prüfstand zu stellen.
Aber natürlich haben die SDGs auch ihre Limits. Diese sehen die Befragten vor allem in der Schwierigkeit, die abstrakt formulierten und global gültigen Ziele auf konkrete Unternehmensrealitäten zu übertragen. Auch fehlende strategische Ressourcen im eigenen Betrieb werden als Hindernis betrachtet. Hindernisse, die nicht unüberwindbar sind, sondern vielmehr Ansatzpunkte für die konkrete Gestaltung der folgenden Module in unserem Projekt.

Die Ergebnisse der Studie und weitere Informationen zu unserem Projekt finden Sie auf unserer Website unter www.sdgs-labs.eu.




Über das Terra Institute
Das Terra Institute ist ein Beratungsunternehmen mit internationaler Projekterfahrung in Geschäftsmodellinnovation, Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft sowie Sinnzentrierung und transformativem Leadership. Wir geben Impulse durch Beratung, Vorträge, Coaching und Training.
Wir glauben: Soziale und ökologische Verantwortung sowie persönliche Sinnstiftung sind die Erfolgsfaktoren der Unternehmer im 21. Jahrhundert. Diese stellen den nachhaltigen wirtschaftlichen Gewinn sicher.
Als SYSTEMS CHANGE CONSULTANCY ist es unser Anliegen, in unserem Tun einen Beitrag hin zu einem umfassenden Systemwandel in Wirtschaft und Gesellschaft beizutragen: Klima- und Naturregeneration, globale Kooperation, Wohlstand und Frieden sind einige der Begriffe, die die Welt beschreiben, die wir zusammen mit unseren Kunden mitgestalten möchten.