Interview mit Mathias Kollmann, Geschäftsführer Bohlsener Mühle und neu im Vorstand bei UnternehmensGrün.

Willkommen im Vorstand von UnternehmensGrün! Was sollte man über Mathias Kollmann wissen? Welchen Hintergrund bringen Sie mit?
Mathias Kollmann: Seit Mai 2019 führe ich die Geschäfte der Bohlsener Mühle (Mitglied bei UnternehmensGrün) in Niedersachen. Meine Schwerpunkte liegen dabei im Vertrieb, Marketing und in der Unternehmensentwicklung. Ich bin 50 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Kinder und bin seit mehr als 25 Jahren im Bereich der Lebensmittelherstellung tätig. In meiner Freizeit koche ich gerne zusammen mit Freunden und fühle mich bei gutem Essen, Wein und in geselliger Runde am wohlsten.

Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Missverständnisse konventioneller und ökologischer Unternehmen beseitigen
Mir ist oft aufgefallen, dass Gespräche von Missverständen geprägt sind, wenn konventionelle und ökologische Lebensmittelherstellende miteinander sprechen. Oft „verstehen“ sie einander nicht, da das genutzte Wording oder auch das Hintergrundwissen nicht deckungsgleich sind. Ich verstehe mich als „ökonomisch-ökologischer Dolmetscher“ zwischen beiden Seiten.

Ausbildung
Mir liegt besonders am Herzen, dass die Ausbildungsinhalte ökologischer werden und ein Fokus auf neue „grüne“ Berufe gelegt wird. Wir müssen endlich ins Handeln kommen und nicht noch weiter diskutieren.

Mittelstandsförderung
Die Kriterien zur Förderung des Mittelstands sind altmodisch und immer noch vornehmlich auf „Arbeitsplatzsicherung und Arbeitsplatzgewinnung“ ausgerichtet (was grundsätzlich nicht falsch ist!). Investitionen des Mittelstandes mit ökologischer Ausrichtung oder auch auf dem Land finden aber nur einen geringen Anteil Berücksichtigung in der Gesamtzahl der Subventionen.

Ländliche Entwicklung
Das Gleichgewicht zwischen Land und Stadt muss wiederhergestellt werden. Nur so entsteht eine ökosoziale und kreative Marktwirtschaft

Was sind für Sie die wichtigsten Stellschrauben in der nachhaltigen Unternehmensführung?
Mathias Kollmann: Nicht-nachhaltige Unternehmen haben meist ihren Fokus ausschließlich auf Wachstum und Gewinn gelegt. In sehr vielen Fällen hat dies negative Auswirkungen auf die Umwelt und das soziale Miteinander. Für mich ist die wichtigste Stellschraube für nachhaltige Unternehmensführung, dass Unternehmen ihre Mitte finden. Sie müssen ihr mittleres Maß zwischen ihrem wirtschaftlichen Wirkungsgrad, sozialer Ausgeglichenheit und ökologischer Vereinbarkeit definieren. Es zählt nicht nur die Größe eines Unternehmens, sondern die zukunftsfähige Stabilität. Hierfür braucht es auch öko-soziale Kennzahlen in der Bewertung des Unternehmenserfolgs – denn damit lässt sich nachhaltige Vergleichbarkeit herstellen.

Worauf freuen Sie sich besonders in den kommenden 2 Jahren?
Ich freue mich auf einen guten Diskurs, mich aktiv mit einzubringen, etwas verändern können und am „realen“ Beispiel eines nachhaltigen Unternehmens zu zeigen, was alles möglich ist. Ich bin außerdem sehr interessiert daran andere Bereiche, Unternehmen und deren Herausforderungen kennenzulernen.