„Aus unserer Erfahrung wissen wir: Die systematische Beschäftigung mit den SDGs hat weit mehr Auswirkungen als nur Wirkung auf die Finanzierungsaspekte.“, so Frank Ackermann (SDG Investments). Gleich zu Beginn der SDG-Konferenz am 24. Oktober 2019 im Forum Factory Berlin verdeutlichte Ackermann, anhand von zahlreichen Projekten, welche Wirkung SDG-basierte Investitionen entfalten können.

„Mit den SDGs liegen 17 Bälle auf dem Elfmeterpunkt – das ist doch eine Steilvorlage für all´ die Start-ups, die in diesen Feldern Lösungen anbieten!“, stellte Ackermann fest. Daraufhin wurde u.a. eine „Höhle der Impactlöwen“ gefordert. Ackermann ist überzeugt, dass mit Crowdfunding allein nicht skaliert werden könne. Er forderte daher einen Venturefonds für nachhaltige Unternehmen, den z.B. die Bundesregierung aufsetzen könnte (50 Mio. Euro) und jeden privaten Euro verdoppeln könnte. Dieser Fonds müsste auf nachhaltige Unternehmen spezialisiert sein – und die finanzierten Unternehmen bräuchten darin 5-10 Jahre Zeit, sich zu entwickeln.

Die SDGs wurden von einer Mehrheit der Teilnehmenden als positiv bewertet, sie seien, da sie von weltweiter Gültigkeit sind, „eine Hilfe für alle“. Das Festschreiben des Wachstumsdogma in SDG 8 „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ wurde allerdings kritisiert. Und es wurde eine stärkere Verbreitung in der Bevölkerung und in der Wirtschaft gewünscht, beispielsweise durch die Beschäftigung mit der Frage „Was ist dein persönliches SDG?“.

Das Panel zum Thema „Best Practices zur unternehmerischen Umsetzung der SDGs“ mit Roland Schüren (Ihr Bäcker Schüren), Dr. Laura Mervelskemper (GLS Bank) und Uti Johne (modem conclusa) widmete sich zunächst den Praxiserfahrungen. So fokussiert sich Ihr Bäcker Schüren auf sechs ausgewählte SDGs, zu denen die Bäckerei einen relevanten Beitrag liefern kann. Neben dem Thema Ernährungssicherheit spielt das Thema Energie in der Branche eine große Rolle. „Wenn man nur Teilaspekte eines SDGs behandelt, sollte man sich als Unternehmen kritisch fragen, inwiefern das SDG erfüllt wird“, so Schüren. Die GLS Bank nutzt die SDGs u.a. im Schnellcheck für Kreditanfragen. Daneben bleibt jede Kreditprüfung eine individuelle Prüfung, die sich die Kreditnehmenden sehr ausführlich anschaut. In der Lernwerkstatt der GLS Bank (Bestandteil der Ausbildung) werden die SDGs ebenfalls intensiv bearbeitet. Uti Johne berichtet aus ihrer Agenturerfahrung bei modem conclusa, dass Unternehmen gerade durch eine Wesentlichkeitsanalyse zu den SDGs Kernthemen und Zielkonflikte identifizieren können.

In der Abschlussrunde diskutierten das Publikum und das Panel verschiedene Wege, wie die SDGs breiter verankert werden können. Es wurden u.a. folgenden Themen adressiert:

  • SDG-Fonds der Bundesregierung (Venturefonds für nachhaltige Unternehmen)
  • SDG-Leitlinien für die öffentliche Beschaffung („green public procurement“)
  • stärkere Beachtung in den Kammern und traditionellen Wirtschaftsverbänden
  • stärkere Bekanntmachung der SDGs, z.B. durch Kampagnen, SDGs auf jede Brötchentüte
  • Berücksichtigung des Beitrags zu den 17 Zielen in der Preisgestaltung (wahre Preise)
  • mit Kunden und weiteren Multiplikator_innen über die SDGs sprechen (B2B)

Neben Diskussionen wurde auf der Abschlusskonferenz des Projekts SDGs praxisnah umsetzen das gleichnamige Handout für Unternehmen vorgestellt. Die Veröffentlichung wurde mit Unternehmensvertreter_innen entwickelt und stellt Informationen insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen bereit, die sich den SDGs annähern möchten.

Fotocredit: UnternehmensGrün / Jörg Farys