Gastbeitrag von UnternehmensGrün Mitglied Polarstern

Der einseitige Blick auf den Strommarkt hat den Klimaschutz gebremst. Der Einsatz erneuerbarer Ressourcen in den Sektoren Verkehr und Gebäude kam nur schleppend voran. In der Folge sind die CO2-Emissionen laut Bundesumweltamt seit 2010 kaum gesunken. Das reicht bei weitem nicht aus, um die CO2-Ziele der Regierung zu erreichen. Das hat auch der zweite Fortschrittsbericht zur Energiewende des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstrichen: Der Endenergieverbrauch im Verkehr entwickelte sich beispielsweise mit einem Plus von 6,5 Prozent gegenüber 2005 sogar gegenläufig zu den Zielen des Energiekonzepts. Und bezogen auf den Gebäudesektor heißt es: Neben der Reduzierung des Energieverbrauchs ist die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung für die Erreichung der Energie- und Klimaziele unabdingbar. Hierbei spielt auch die Wirtschaft eine entscheidende Rolle: Im Vergleich zu 2005 fielen die energiebedingten Emissionen in der Industrie 2017 um 17,6 Prozent und die energie- und prozessbedingten Emissionen um 4,6 Prozent höher aus. Auch die CO2-Emissionen im Bereich Gewerbe, Handel, Dienstleistungen sind zuletzt wieder deutlich gestiegen.

Das Bittere daran ist: Lösungen für mehr Klimaschutz gibt es bereits. Sie werden bisher nur zu selten ergriffen. Bestes Beispiel sind Öko-/Biogas-Angebote. Ohne zusätzliche Investitionen in neue Energieanlagen, können sie direkt fossile Energien in Unternehmen und Haushalten ersetzen.

Alternative Ressourcen stärker nutzen.

Neue Techniken alleine reichen nicht, um die Energiewende im Wärmemarkt voranzubringen. Wie in der Elektromobilität gilt in der Wärme: Nur mit erneuerbaren Ressourcen wird wirklich CO2 gespart. Nun schlagen unter anderem das Umweltbundesamt und Bundesumweltministerin Svenja Schulze vor, Heizöl und Erdgas stärker zu besteuern, um so die Nachfrage nach alternativen Brennstoffen zu steigern.

Und tatsächlich kann es dem Einsatz von Öko-/Biogas zum Durchbruch verhelfen. Sie sind derzeit noch teurer als fossile Brennstoffe, was viele Unternehmen angesichts ihres Wärmebedarfs an einem Wechsel zu den Erneuerbaren hindert – wenngleich die CO2-Wirkung enorm ist. Durch eine verursachergerechte CO2-Bepreisung könnte dieser Preisnachteil reduziert bzw. aufgehoben und der Klimaschutz ordentlich vorangebracht werden.

Vorsicht: Ökogas ist nicht gleich Ökogas.

Anders als im Ökostrommarkt steckt hinter dem Begriff Öko- bzw. Biogas nicht immer ein Produkt aus 100 Prozent erneuerbaren Energie. Manchmal besteht der Tarif dahinter sogar komplett aus Erdgas und es werden lediglich die CO2-Emissionen kompensiert. Das führt die Energiewende ad absurdum. Leider haben genau diese Tarife, auch Klimatarife genannt, in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Inzwischen stellen sie fast drei Viertel aller Öko-/Biogasangebote im Markt. Den zweitgrößten Anteil machen Beimischprodukte aus. Hier sind typischerweise dem Erdgas zwischen 10 und 30 Prozent Biogas beigemischt. Auch sie werden als Öko- bzw. Biogastarif angepriesen, obwohl mehrheitlich fossile Energie dahintersteckt. Der Grund ihres Erfolgs liegt ebenfalls in den niedrigeren Kosten.

Das macht Biogas so wertvoll.

Biogas lässt sich gut speichern, kann Schwankungen von Wind- und Sonnenenergie ausgleichen, dient der Sektorenkopplung und hilft so den Anteil erneuerbarer Energien am Energiebedarf in Deutschland deutlich zu steigern. Aber nicht nur das: Biogas kann in der Wärmeversorgung eingesetzt werden, ohne dass große technische Investitionen erforderlich sind. Das macht es gerade für die Wirtschaft zu einer wertvollen Ressource, um die CO2-Ziele zu erreichen.

100 Prozent echtes Ökogas.

Eine entscheidende Frage bei Ökogas aus 100 Prozent erneuerbaren Energien ist: Welche Ressource steckt dahinter?
Reststoffe, Nebenprodukte und Abfälle sind laut Experten bei der Biomassenutzung eindeutig in der Energieerzeugung zu bevorzugen, da sie die Wertschöpfungskette schließen. Zuckerrüben weisen beispielsweise einen hohen Energiegehalt auf und eignen sich daher besonders für die Biogaserzeugung. Insgesamt sind rund zwei Drittel des technisch nutzbaren Biomasse-Reststoffpotenzials in Deutschland erschlossen, so eine Analyse des Deutschen Biomasse-Forschungszentrums. Rund 40 Prozent davon werden im Energiemarkt eingesetzt.

Um die Energiewende im Wärmemarkt voranzubringen, dürfen Biogasanlagen nicht nur zur Verstromung genutzt werden. Bisher wird dieser Einsatz allerdings durch das EEG unterstützt. Ziel sollte es vielmehr sein, mehr Biomasse dem Wärmemarkt zuzuführen und zu fördern, so wie es bereits bei Biomethan-KWK-Anlagen (Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen) der Fall ist.

Nach wie vor ist auch fast ein Drittel des technischen Biomassepotenzials ungenutzt, was vor allem an seiner kostenintensiven Bereitstellung liegt. Allerdings würde eine blinde Ausweitung der Bioenergiepotenziale Umwelt und Natur unter Druck setzen und den Kerngedanken einer klimabewussten und umweltverträglichen Ressourcennutzung zuwiderlaufen. Vielmehr geht es darum, Bioenergie systemdienlich im Energiesystem zu nutzen. Als Impulsgeber im Wärmemarkt und als Stabilisator im Strommarkt.


Quellen:

Energie der Zukunft (2019), Stellungnahmezumzweiten Fortschrittsbericht der Bundesregierung für das Berichtsjahr 2017 (PDF)
Deutsches Biomasseforschungszentrum (2018),  OpenGeoEdu:Flächenbezogene Berechnung von Biomassepotenzialen (PDF)