Berlin und Brandenburg beim Thema Landwirtschaft und Ernährung zusammenbringen – dies war Thema der Veranstaltung „Gutes Essen für Alle: Stadt und Land zusammenbringen“ am 05. Dezember im betahaus Berlin. Eröffnet wurde der Abend von Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin von UnternehmensGrün e.V., die sich bereits seit vielen Jahren mit den Themen Agrar- und Ernährungswirtschaft beschäftigt und sich für eine neue Ernährungspolitik einsetzt. Der Auftakt der Veranstaltung wurde durch ein Grußwort von Anka Dobslaw (Referatsleiterin Wirtschaftlicher Verbraucherschutz) ergänzt. Das Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung fördert die Veranstaltung im Rahmen des Projekts „Gutes Essen für alle: Stadt und Land zusammenbringen“.

Timo Kaphengst stellte den Ansatz der Regionalwert AG Berlin-Brandenburg vor, mit Bürgeraktien die nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft in Berlin-Brandenburg zu unterstützen. Michl Wimmer zeigte für die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau e.V. auf, welche aktuellen Projekte z.B. Lücken in der Versorgung mit Biogemüse adressieren.

Damit war der Grundstein für die anschließende Podiumsdiskussion gelegt, die von Katharina Reuter zur Fragestellung „Gutes Essen für alle – Wie bringen wir Stadt und Land zusammen?“ moderiert wurde.

Christian Heymann von der solidarischen Landwirtschaft SpeiseGut berichtete, dass der Umgang mit dem Handel für ihn ein Lernprozess war. Ein Drittel der Arbeit mache inzwischen Kommunikation aus: „Klare Absprachen und Transparenz sind wichtig und werden in Zukunft wichtig bleiben“. Anne-Kathrin Kuhlemann von der StadtFarm löst künftig die Herausforderung, geeignete Partner für die Verarbeitung zu finden, indem sie die Wertschöpfungskette im eigenen Unternehmen integriert (inkl. Räuchern und Schlachten). Sie merkte an, dass die Komplexität der Lieferketten eine der großen Lücken sei, die gefüllt werden müsse. Hier schloss Timo Kaphengst an: „Es gibt einige Initiativen, die alles selbst machen, da die Infrastruktur fehlt. Aber das gelingt natürlich nicht allen. Und nicht jeder Landwirt kann sich ein breites Netzwerk zu Lieferanten und Kund_innen aufbauen. Dafür braucht es Netzwerkpartner, die hier unterstützen.“ Auch die Marktschwärmer können diese Rolle einnehmen. Laure Berment war zu Beginn überrascht, wie wenig vernetzt Erzeuger auch untereinander sind und fördert mit ihrer Organisation eben diese Vernetzung. So liegt das Bewerben der Produkte und die Kommunikation bei den Gastgeber_innen der Marktschwärmereien, erklärte sie. Um die Sensibilisierung für Ernährungsthemen kümmert sich der Ernährungsrat Berlin. Gundula Oertel aus dem Sprecher_innenkreis stellte klar, dass eine Ernährungsstrategie auch Fragen wie Vernetzung und Infrastruktur aufgreifen müsse. Die Beschaffung für Gemeinschaftsküchen bzw. eine öffentliche Beschaffung seien ein großer Hebel, wobei Bio und Regionalität stärker gestützt werden müssen. Anne-Kathrin Kuhlemann sagte dazu: „Wir können nicht komplett die Stadt aus der Stadt heraus ernähren. Das ist utopisch. Wir brauchen das Land.“

In einer Abschlussrunde wies Gundula Oertel auf die Problematik hin, dass die größten Flächeneinkäufer landwirtschaftsferne Investoren seien. Anne-Kathrin Kuhlemann hob die vorhandenen Strukturen hervor, forderte jedoch mehr Vernetzung. Christian Heymann sah den größten Handlungsbedarf in der Nachfolge und dem Mangel an Nachwuchskräften und Laure Berment schloss mit Zuversicht: „es verändert sich etwas, wenn auch langsam.“

Schließlich wurde das kulinarische Probierfeld eröffnet, das mit vielfältigen Kostproben von den regionalen Helden Ände, Biohof Werder, Das Berliner Frühstück, Domberger Brot-Werk, Fair Food Bike, Märkisches Landbrot, Ostmost, Potsdamer SauenHain, SpeiseGut, StadtFarm, Tlaxcalli und Vom Einfachen das Gute bestückt wurde. „Es macht Mut zu sehen, dass so viele Manufakturen und Betriebe bereits an einer Veränderung arbeiten,“ so Dr. Katharina Reuter.

Das Projekt „Gutes Essen für alle: Stadt und Land zusammenbringen – Informationsveranstaltung & Best Practice Präsentation“ wurde gefördert durch das Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung.