Die Nachfrage nach einem Job mit Sinn steigt bei Nachwuchskräften und bietet das Potenzial, junge Menschen für nachhaltige Berufe zu begeistern, so Dr. Katharina Reuter (UnternehmensGrün). Die Aufgabe des Netzwerk Grüne Arbeitswelt ist es, die grüne Arbeitswelt zu positionieren, beispielsweise durch die Bündelung von Informationen und Materialien für Lehrkräfte.

Die erste Jahreskonferenz des „Netzwerk Grüne Arbeitswelt“ fand am 8. November in Essen statt und hatte das Ziel, diverse Beteiligte aus verschiedenen Ebenen der grünen Arbeitswelt zu vernetzen und die Weiterentwicklung des Netzwerks zu diskutieren. Rund 50 Teilnehmer_innen aus Politik, Zivilgesellschaft, und Wirtschaft tauschten in Fachforen Ideen aus und beteiligten sich in der Diskussion um die grüne Arbeitswelt.

Zu Beginn der Veranstaltung definierte der Projektverbund, bestehend aus Wissenschaftsladen Bonn e.V., UnternehmensGrün e.V. und Zeitbild Stiftung, die grüne Arbeitswelt weitgefasst als Tätigkeitsfeld im und für den Umwelt- und Klimaschutz auch entlang der Wertschöpfungsketten. Der Mehrwert des Netzwerks sei die Sichtbarmachung der Bandbreite von Beteiligten, Aktivitäten und Möglichkeiten im Bereich der grünen Arbeitswelt. Die Wichtigkeit der Sichtbarmachung stellte auch Dr. Pia Spangenberger von der TU Berlin in ihrem Impulsvortrag „Berufsorientierung und grüne Arbeitswelt“ heraus: Derzeit fehlten konkrete Berufsbilder und Vorbilder, die Fachkräfte gezielt anziehen.

Vernetzungsbedarfe: Was ist wünschenswert und wie realisierbar?

In vier Fachforen wurde die Entwicklung des Netzwerks aus verschiedenen Perspektiven diskutiert. Eines widmete sich dem Thema Vernetzungsbedarfe und wurde von Dr. Ulrike Struwe vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. moderiert. Die Teilnehmer_innen kamen zu dem Schluss, dass vor allem ein dauerhaftes Vernetzungsangebot geschaffen werden solle. Die Möglichkeit zur Vernetzung wurde als größter Vorteil des Netzwerks angesehen, neben der Bereitstellung von Informationen und der Listung von Unternehmen. Zudem solle das Netzwerk effektiv nach außen kommuniziert werden.

Best Practice: Was kann man lernen?

Unter der Leitung von Dr. Antje Tönnis von der GLS Bank wurde im Fachforum für Unternehmen die Notwendigkeit einer realistischen Berufsdarstellung deutlich, um die Romantisierung der grünen Arbeitswelt zu vermeiden. Dabei sei vor allem eine Werteorientierung wichtig und die Darstellung von Berufsbiografien interessant für Jugendliche. Insgesamt treffe das Netzwerk den Bedarf für Schule und außerschulische Bildung und müsse weiterentwickelt werden. Eine Verbreitung des Netzwerkes könne vor allem durch Fortbildungen für Lehrkräfte, Verteiler von Ministerien und Bildungsmessen geschehen.

Grüne Arbeitswelt in Schule und außerschulischer Bildung

Die Verankerung des Themas „grüne Arbeitswelt“ in Schule und außerschulischer Bildung war in einem dritten Forum Thema, das von Christina Georgieva und Ramona Reif von der Zeitbild Stiftung moderiert wurde. Grundlegend im Bereich Bildung sei, dass die Lehre des Themas Nachhaltigkeit im Allgemeinen in jedem Bundesland unterschiedlich gehandhabt wird. Die Nachhaltigkeitsstrategie der Länder wurde daher als Anknüpfungspunkt herausgestellt. Für die konkrete Umsetzung wurde empfohlen, „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ an ein Unterrichtsfach anzuhängen und pro Berufsfeld Material anzubieten. Zudem seien Partnerschaften zwischen Schule und Wirtschaft besonders beliebt. Und das Netzwerk spiele insbesondere für den Informationsaustausch eine Schlüsselrolle.

Querschnittsthemen, Forschungs- und Unterstützungsbedarfe

Krischan Ostenrath vom Wissenschaftsladen Bonn nahm in einem Forum Querschnittsthemen einer grünen Berufsorientierung unter die Lupe. Ausgehend von einer jüngeren Bedarfserhebung im Akteursfeld Fachinstitutionen und Pilotvorhaben standen einerseits Handlungsfelder zur Diskussion, die aus dem Netzwerk heraus bearbeitet werden können und sollen. Hierzu zählen unter anderem die Bereiche öffentliche Resonanz, Fortbildungsangebote, Partizipation und Kooperationsanschub. Im Mittelpunkt der Diskussion standen konkrete Schnittstellen zu bestehenden Initiativen aus dem fachlichen, verbandlichen oder jugendspezifischen Bereich.

Gut vernetzt – Gemeinsam grüne Berufsorientierung gestalten

„Vorleben, Kompetenzen entwickeln, Zusammenhänge erkennen und Verantwortung übernehmen“ – das war das Fazit des Panels „Gut vernetzt – Gemeinsam grüne Berufsorientierung gestalten“, moderiert von Dr. Katharina Reuter. Expert_innen aus unterschiedlichen Bereichen stellten sich der Frage, wie Jugendliche und junge Erwachsene an das Thema der grünen Berufsorientierung herangeführt werden sollten. So erklärte Achim Beule vom Kultusministerium Baden-Württemberg, dass die Relevanz der nachhaltigen Entwicklung größer sei als in der Vergangenheit – auch weil diese zum Teil im Lehrplan verankert sei und Jugendliche stärker sensibilisiert würden. In der Berufsorientierung machte Dr. Ulrike Struwe vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. zudem die Beobachtung, dass grüne Jobs in Kombination mit einem MINT-Fach sowie der nachhaltigen Entwicklung in besonderer Weise junge Frauen anspreche.

Die GLS Bank sei laut Kristin Send-Bojahr vor allem daran interessiert, die Nachfrage von Auszubildenden zu erhöhen. Das „Netzwerk Grüne Arbeitswelt“ sei ein wichtiger Baustein in dieser Entwicklung. Susanne Seitter von unserem Mitglied Ackerhelden stellte hingegen fest, dass die Übernahme von Verantwortung in der Berufsorientierung wichtig sei und Geduld benötige. Lukas Wolf vom SV Bildungswerk ergänzte, dass diese Verantwortung und Mitsprache eine große Motivation bürge. Effektiv würde eine grüne Berufsorientierung vor allem durch eine bestehende Neigung unterstützt, welche beispielsweise durch die Unterrichtsfächer geweckt werden könne. In der gemeinsamen Diskussion lieferte das Panel konkrete Vorschläge für die Weiterentwicklung des Netzwerks. Insgesamt sei vor allem eins wichtig: Das Netzwerk müsse stärker in die Breite getragen werden.

Fotos: © Netzwerk Grüne Arbeitswelt