Mitglieder-Interview mit Mandy Geddert (CHARLE) über mitwachsende Kinderkleidung und Biogummibänder

CHARLE vertritt klare Prinzipien und verfolgt große Ideen. Das Berliner Modelabel produziert Kindermode aus Naturtextilien. Der besondere Clou: die Kleidungsstücke wachsen mit. Innovationsgeist zeigte CHARLE aber nicht nur im bestehenden Unternehmenskonzept, sondern auch in der Entwicklung neuer Produkte. Denn Mandy Geddert ist Pionierin für Biobänder aus eigener Produktion, die sie inzwischen weltweit vertreibt.


CHARLE stellt nachhaltige Kinderkleidung her. Wie kam es zur Gründung des Unternehmens?

Ich sah mich als Mutter zweier Kleinkinder mit dem Problem konfrontiert, dass die Kleidung der Kinder viel zu schnell zu klein wurde. Diese kleinen Menschen wachsen einfach zu rasant.  Für meinen Geschmack brauchte ich viel zu oft neue Kleidung für die Kinder. Da kam mir die Idee, Kleidung zu entwerfen, die mit den Kindern wächst.

Eigentlich bin ich von Beruf Verkehrsfachwirtin. Meine Berufung jedoch war immer die Kreativität – allen voran das Schneidern und Stricken. Die Fertigkeiten erlernte ich bereits in früher Kindheit von meiner Mutter, die Damenmaßschneiderin ist, und von meiner Großmutter, die eh alle Handarbeitsraffinessen draufhatte. Weitere Kenntnisse eignete ich mir später durch Praktika bei Designer_innen und als Gasthörerin im Bereich Modedesign in der HTW Berlin an.

Meine Überlegung war zunächst Kleidung zu entwerfen, die entweder verlängerbar ist oder übergroße Kleidung zu entwickeln, die ohne große Umstände verkürzt werden kann. Ich entschied mich für die letzte Variante, die erste erschien mir bei genauerem Hinsehen zu umständlich. So entwarf ich ein Langarmshirt mit Schlitzen am Rumpf, langen Stulpen an den Ärmeln und einem flexiblen Halsausschnitt. Mit meinem ersten Entwurf fuhr ich nach Sachsen zu einem Konfektionsbetrieb zu einem Termin mit der Geschäftsführerin. Sie fand die Idee des Mitwachsprinzips zwar ungewöhnlich, war aber sofort Feuer und Flamme, ein Muster zu produzieren. Nach dem Probetragen wurde das Modell noch einige Male geändert und ging dann, zunächst in dem sächsischen Konfektionsbetrieb, in Serie. Nach dem ersten Shirt folgten eine Hose und viele weitere Produkte, die dem Prinzip des Mitwachsens entsprachen. Ich war überzeugt davon, dass diese Idee eine Unternehmensgründung wert ist.

Im März 2010, damals noch im eigenen Schlafzimmer, gründete ich „CHARLE – sustainable kids fashion“ mit dem Ziel, ökologische Kinderbekleidung – Made in Germany – salonfähig zu machen. Seither lasse ich die Stoffe individuell in Deutschland produzieren. Die Entwürfe der Kleidung, die Konfektion derselben, sowie das Zeichnen der Motive für Shirt und Hose, kommen seit 2014 ausschließlich aus unserem Berliner Atelier. Wir arbeiten heute zu fünft an der Gestaltung und Umsetzung nachhaltiger Bekleidung für Babys und Kinder von 0 bis 12 Jahre. Mein Credo lautet: Einfach machen.


Welche Geschichte steckt denn hinter dem Bio-Gummiband?

Auf der Suche nach ökologischem Zubehör, wie Garne, Knöpfe, Reißverschlüsse und Gummibänder, wurde mir schnell bewusst, dass es im Bereich Bänder keine echten Alternativen zu den konventionellen Produkten gab. So beschloss ich, diese selbst produzieren zu lassen.

Ich überlegte, aus welchen natürlichen Bestandteilen mein erstes Band bestehen sollte und orientierte mich bei der Recherche an historischen und traditionellen Bändern. Als die Bestandteile feststanden, suchte ich mir einen Partner mit dem entsprechenden Know-how. Das hat gedauert. Es gab seitens deutscher Bandweber kein Interesse. In Österreich wurde ich aber fündig. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, hielt ich ungefähr ein Jahr später (2012) das erste echte Biogummiband, bestehend aus Biobaumwolle und Naturkautschuk in meinen Händen.

Zunächst war das Band nur für den Eigenbedarf vorgesehen. Recht bald stellte sich jedoch heraus, dass es ein großes Interesse an Biobändern auch bei anderen Designer_innen und auch Kurzwarenläden gab.

Alle anderen Gummibänder, die folgten, produzierten der Bandweber und ich nach Kundenwunsch. Daraus ergibt sich das heutige Standardsortiment, das aktuell aus knapp 20 Bändern besteht.


Wer kauft die Biobänder, wer sind Deine Kund_innen?

Meine elastischen und unelastischen Bänder verkaufe ich inzwischen weltweit. Die Nachfrage steigt. Sowohl Jungdesigner_innen als auch alte Designhasen, große Modehäuser, Taschen- und Schuhhersteller_innen, als auch Interessent_innen anderer Handwerks- und Industriezweige verlangen längst nachhaltige Alternativen.
Im Bereich mitwachsende Kleidung wächst besonders der B2C Sektor.


Welche Pläne hast Du für die Zukunft?

Für die Bänder strebe ich ein größeres Portfolio an und ich möchte sie zertifizieren lassen. Verschiedene Normen, die beispielsweise für die Spielzeugindustrie wichtig sind, erfüllen sie bereits.
Im Bereich Kinderbekleidung arbeiten mein Team und ich an neuen Mitwachsmodellen.  Und ein weiteres Herzensprojekt begleitet uns seit über einem Jahr: Innovative Frühchenkleidung, die allen Erfordernissen gerecht wird.


Warum ist CHARLE Mitglied bei UnternehmensGrün?

Wir wollen Wirtschaft zukunftsfähiger und zeitgemäßer gestalten. Gemeinsam geht das einfach besser und macht viel mehr Spaß!


Das Gespräch führte Veronique Helwing aus der Geschäftsstelle von UnternehmensGrün.