Klassische Automobilhersteller werden zu Mobilitätsanbietern? Auch die Autobranche fordert die Mobilitäswende. Was die BMW Group zur Mobilitätswende beiträgt und wie sie den Herausforderungen in Ballungsräumen begegnet, lesen Sie in einem Interview mit Frank Hansen (BMW Group, Kompetenzzentrum Urbane Mobilität, Leitung Pilotprojekte Berlin).


Wie gestaltet die BMW Group die Mobilitätswende?

Bis vor einigen Jahren war die BMW Group ein klassischer Automobilhersteller. Es ging allein darum, Fahrzeuge zu entwickeln, zu produzieren und zu verkaufen. Heute ist das Unternehmen viel mehr Mobilitätsanbieter. Wir bieten Fahrzeuge mit unterschiedlichen Antriebskonzepten an: Benzin, Diesel, Elektro oder Plug-In-Hybrid. Wir bieten Fahrzeuge klassisch zum Kauf, aber auch Car-Sharing in ausgewählten Städten an. Wir haben inzwischen zahlreiche Mobilitätsdienstleistungen im Angebot wie zum Beispiel ChargeNow, das weltweit größte Ladenetzwerk für Elektroautos oder ReachNow, das erste ganzheitliche Ökosystem rund um Car as a Service. Vor allem aber: Wir gehen heute in die Städte und reden mit den Menschen darüber, was die größten Herausforderungen sind und welche Lösungen erwartet werden. Wir können nicht alleine eine Mobilitätswende gestalten. Wir müssen das gemeinsam mit den Städten tun. Und wir können jetzt schon absehen, dass das je nach Stadt andere Lösungen sein werden. Städte sind sehr unterschiedlich.

Wie begegnen Sie den Herausforderungen in Ballungsräumen?

Aus Mobilitätssicht sind wachsende Ballungsräume aktuell zumeist mit zwei grundlegenden Herausforderungen konfrontiert: Zunehmende Knappheit von Fläche und Luftqualität. Wir sind überzeugt, dass dafür Lösungen schon heute auf der Hand liegen. Vor allem im Personenverkehr auf der Straße, der heute noch große Ineffizienzen birgt. Dort gibt es aus unserer Sicht vielversprechende neue Mobilitätsangebote, die sich in den kommenden Jahren noch dynamisch weiter entwickeln werden. So rückt unser eigenes Car-Sharing-Angebot stetig weiter heran an Komfort und Attraktivität eines eigenen Autos. Ein hoher Anteil von Car-Sharing kann Flächen für urbane Gestaltungsräume frei werden lassen. Darüber bringen wir mehr Elektrofahrzeuge wie den BMW i3 in unsere Car-Sharing-Flotten. Dafür brauchen wir allerdings eine gute Infrastruktur. Je mehr hier ausgebaut wird, desto eher kann man auf Elektrofahrzeuge umstellen. Wir müssen das Henne-Ei-Problem lösen. So schaffen wir es gemeinsam, die Rahmenbedingungen für nachhaltige urbane Mobilität Zug-um-Zug zu verbessern.

Was muss sich politisch ändern?

In vielen Bereichen gibt es bereits Lösungen. Wir müssen sie nur nutzen. Und vor allem müssen alle Beteiligten den Willen haben, gemeinsam Lösungen umzusetzen. Derzeit gibt es noch zu viel Misstrauen und zu wenig Mut. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir alte Strukturen aufbrechen können. Je mehr Projekte wir lokal erfolgreich umsetzen können, desto größer ist die Chance, dass andere nachziehen.

Foto: © pixabay.com GoranH


Frank Hansen

Der Diplom-Kaufmann Frank Hansen ist seit 2004 bei BMW tätig. Seit Juni 2015 entwickelt er Mobilitätskonzepte in Kooperation mit Städten im neu gegründeten Kompetenzzentrum Urbane Mobilität der BMW Group. Gemeinsam mit kommunalen Verwaltungen und lokalen Akteuren werden dabei neue Mobilitätslösungen entwickelt und in innerstädtischen Quartieren pilotiert. Zuvor verantwortete er in der Konzernstrategie die Themen Mobilität, Urbanisierung und Automärkte. In den Jahren 2004 bis 2010 leitete er Projekte zur Erforschung der Zukunft der Mobilität im Institut für Mobilitätsforschung (ifmo). Dabei erarbeitete Frank Hansen unter anderem Zukunftsszenarien für den Personen- und Güterverkehr und war für die Kommunikation der Forschungsergebnisse an die Verkehrspolitik und andere wichtige Stakeholder der Mobilitätbranche verantwortlich.