Das Symposium „Klimaschutz als Markenzeichen – Wie Unternehmen einen Unterschied machen“ veranstaltet von KlimAktiv, UnternehmensGrün und dem Weltethos Institut fand am 27. September in Tübingen statt. 

Dr. Katharina Reuter steckte mit ihrer Keynote „Transformation im Zeichen des Klimaschutz“ den Rahmen des Tages. Sie machte deutlich, dass der Klimaschutz jetzt vordringliche Aufgabe für die Gesellschaft und die Wirtschaft sei, da die planetare Grenze in diesem Bereich bereits bedroht sei. Neben die Forderung von Kate Raworth (Donut-Ökonomie), beim Denken anzufangen und Volkswirtschaft anders zu lehren, stellte Katharina Reuter drei Thesen zur Transformation:

  1. Innovation & Ethik treffen den Wertewandel
  2. Wahre Preise schaffen nachhaltige Märkte
  3. Transformation wird auch weh tun

Zu These 1 führte sie aus, welcher Wandel derzeit auf den Märkten z.B. für Lebensmittel zu beobachten sei. Mit den jungen Verbrauchergenerationen der Millennials und iBrains bestimmt ein Wertewandel den Markt. Mit der These 2 „Wahre Preise schaffen nachhaltige Märkte“ ging Reuter auf das Problem ein, dass die Preise heute nicht die ökologische und soziale Wahrheit sagen. Dies ist u.a. beim CO2 Preis ganz deutlich zu sehen (aktueller CO2 Preis vs. Umweltkosten je Tonne CO2). Auch Effizienzmaßnahmen rechnen sich künftig kaum, wenn CO2 keinen vernünftigen Preis bekommt. Daher braucht es den politischen Hebel, endlich für wahre Preise zu sorgen. Zum Beispiel über Gesetze und Ordnungsrecht (u.a. CO2-Steuer, nachhaltige Mehrwertsteuer). Unter der These 3 „Transformation wird auch weh tun“ machte die Geschäftsführerin von UnternehmensGrün klar, dass es auch schmerzhafte Veränderungen geben werde. So werden beispielsweise Arbeitsplätze in der Braunkohle wegfallen (Stichwort: Konflikt Hambacher Forst). Daher brauche es eine mutige Politik, die Wandel-Prozesse adressiere. Unternehmen müssten ihre Rolle neu definieren, indem sie künftig bei der Produktentwicklung fragen: Welches Produkt brauchen wir für eine nachhaltigere, dekarbonisierte Welt.

Oliver Spring (Nomad Foods Europe, u.a. die Marke iglo) machte deutlich, dass auch innerhalb von multinationalen Unternehmen das Verständnis von Klimaschutz stark variiere. “Klimaschutz ist eine Reise und beinhaltet auch viel Sportsgeist in der Verbesserung der Kennzahlen“, so Spring.

Prof. Dr. Florian Kapmeier (ESB Business School Reutlingen University) beeindruckte mit seinem Beitrag mit dem Titel „Dringlichkeit für Klimaschutz spüren und Handlungsoptionen selbst herausfinden“. Er stellte den am MIT entwickelten und preisgekrönten Klimasimulator C-Roads vor. C-Roads solle vor allem politischen Entscheidungsträger_innen als Handlungsvorlage dienen und veranschaulichen, dass es mehr als eine Stellschraube benötigt um das <2 Grad Ziel zu erreichen. Auch die Wirtschaft sei gefordert. So muss sich beispielsweise der Fokus der KPIs verlagern – weg von den relativen KPIs hin zu den absoluten Werten. Denn „das Klima interessiert nur die absoluten Emissionen“, so Prof. Dr. Florian Kapmeier. Das World Climate Spiel (climateinteractive.org), ein Rollenspiel welches in Schulen und Universitäten angeboten werde, machte den Teilnehmenden deutlich, dass Klimaschutz emotional werden muss um Änderungen herbeizuführen. Denn Studien haben gezeigt, dass es nichts bringt, Leuten Studien zu zeigen, um sie zu überzeugen („Research shows that showing people research doesn’t work” – Prof. John Sterman).

In der anschließenden Kurzpräsentation mit Podiumsdiskussion „So geht Klimaschutz in mittelständischen und Familien-Unternehmen!“ gab unser UnternehmensGrün-Mitglied Taifun Tofu GmbH, vertreten durch die Geschäftsführerin Elisabeth Huber, neben Michael Hetzer (Elobau GmbH & Co KG), Dr. Kurt Schmalz (J. Schmalz GmbH) und Martina Birk (Krones AG) einen Einblick in die Praxis, wie unternehmerischer Klimaschutz funktioniert. So machte Michael Hetzer deutlich:

„Jedes Unternehmen sollte sich für den Klimaschutz interessieren, da wir jetzt handeln müssen, um die weitere Erderwärmung zu stoppen, und ein Unternehmen auch eine gesellschaftliche Verantwortung trägt.“

Zum Abschluss der Podiumsdiskussion machte Dr. Katharina Reuter nochmals deutlich: „Tolle Beispiele, die Mut machen und uns mit Hoffnung nach Hause gehen lassen.“

Diese Mutmacher, die wir benötigen, standen auch in dem abschließenden Beitrag von Dr. Odette Deuber (KlimAktiv) im Vordergrund: „Es braucht einen positiven Blick und positive Beiträge, denn viele kleine gute Aktionen können großes Entstehen lassen.“