„Die Digitalisierung ist da – und geht auch nicht mehr weg“, macht Dr. Robin Tech, Digitalisierungsexperte und Gründer der AtomLeap GmbH, auf der Veranstaltung von UnternehmensGrün klar. Die Digitalisierung werde so oder so voranschreiten, daher komme es darauf an, sie (nachhaltig) zu gestalten. Ziel des Abends mit Claudia Müller (Bundestagsabgeordnete für Bündnis 90/die Grünen) und Dr. Katharina Reuter war der Austausch mit nachhaltigen Unternehmen zu Chancen und Herausforderungen von Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Als große Chance für den ländlichen Raum, insbesondere auch für ein Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern, sieht Claudia Müller die Digitalisierung. Denn so könnten auch Arbeitsplätze in strukturschwächeren Regionen geschaffen werden. Gleichzeitig sei es aber immens wichtig, die digitale Infrastruktur auszubauen.

„Krankenhausroboter, Trackingsysteme in Automobilen oder KI – ein Großteil der Tech-Start-ups arbeitet schon heute an digitalen Lösungen und Prozessen. Die Digitalisierung bietet mit Blick auf die Nachhaltigkeit immer dann Vorteile, wenn es beispielsweise um Effizienz, repetitive Aufgaben oder eine lückenlose Verfolgung von Gütern und Rohstoffen geht“, so Dr. Robin Tech, dessen Unternehmen AtomLeap auf Datensammlung und -analyse spezialisiert ist.

Nele Lübberstedt, Gründerin von kaneo und Vorständin von UnternehmensGrün e.V., sprach über die Herausforderungen der Digitalisierung in den Betrieben: So mangele es vielen Menschen an Digitalkompetenz und der Sensibilität für Daten. Gleichzeitig stelle die mangelnde Internetverfügbarkeit viele Unternehmen vor große Schwierigkeiten. Um die Digitalisierung nachhaltiger zu gestalten, sei es u.a. wichtig, zu überprüfen, welche Daten und Softwares überhaupt benötigt werden – denn: „Effiziente Prozesse sparen Ressourcen.“ Wichtig sei zudem, „standardisierte Aufgaben dem Computer zu überlassen, während die kreativen Aufgaben weiterhin von den Anwender_innen durchgeführt werden.

Franziska Göttsche, Gründerin von JACKL & HEIDI, stellte im Anschluss digitale Lösungen in ihrer Eis-Manufaktur vor. Fest verwurzelt in Mecklenburg-Vorpommern, wurde ihre Start-up-Idee durch eine „Sitzkrise“ (ständiges Arbeiten am Computer) ausgelöst – und dem Wunsch nach echter Handarbeit. So entstand die Idee, Eis aus den „Schätzen der Region“ herzustellen. Seit Gründung wurden digitale Prozesse optimiert, u.a. hat das Start-up die Software für Einkaufsplanung und Warenwirtschaft selbst programmiert. Dabei sei es wichtig gewesen, eine benutzerfreundliche Oberfläche anzulegen, da auch Personen, die bisher nicht digital unterwegs waren, diese benutzen müssten.

In der Diskussion forderten die anwesenden Unternehmer_innen von der Politik unter anderem Datensicherheit, Ausbau der digitalen Infrastruktur, mehr Bildung für Digitalkompetenz und eine größere Markttransparenz.

Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin von UnternehmensGrün, fasst zusammen: „Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind die großen aktuellen Schlagworte. Unsere Mitgliedsunternehmen verbinden beide Themen immer mehr. Aber Nachhaltigkeit muss bei allen Digitalisierungsprozessen und -projekten von Anfang an mitgedacht werden. Von der Bundesregierung fordern wir einen flächendeckenden Ausbau der Infrastruktur, gerade auch in strukturschwachen Regionen. Und: Die Digitalisierung ändert mit neuen Strukturen, u.a. Plattformökonomie, die herrschenden Marktgesetze – auch hierauf muss die Politik reagieren und beispielsweise das Kartellrecht anpassen.“