„Vereinnahmung oder echte Transformation? Der Privatsektor und die Sustainable Development Goals“  |  04.07.2018  |  Brot für die Welt

Die Sustainable Development Goals (SDGs) wurden im Jahr 2015 von den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verabschiedet und sollen bis 2030 gleichermaßen die ökonomische, soziale und ökologische Nachhaltigkeit auf globaler Ebene sichern.

Der große Unterschied zu den vorherigen Millenium-Entwicklungs-Zielen (MDGs), die insbesondere für Entwicklungsländer galten: Alle UN-Mitgliedsstaaten sollen die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) berücksichtigen. Und das nicht nur auf politischer Ebene; die SDGs gelten auch für Privatpersonen und die Privatwirtschaft. Doch sind Wirtschaftsunternehmen tatsächlich bemüht, die SDGs umzusetzen? Und wie lässt sich verhindern, dass Unternehmen mit den SDGs Greenwashing betreiben?

Anlass der Veranstaltung „Vereinnahmung oder echte Transformation? Der Privatsektor und die Sustainable Development Goals“ am 4. Juli 2018 war die Veröffentlichung der Analyse „Highjacking the SDGS? – The Private Sector and the Sustainable Development Goals“ von Forum Umwelt und Entwicklung, Brot für die Welt, Global Policy Forum, unfairtobacco und MISEREOR über die Verbindung von Privatsektor und SDGs mit den Fallbeispielen Finanzsektor und Tabakindustrie.

Laura Graen (Unfairtobacco) sprach über den großen Schaden, den die Tabakindustrie auf der Welt anrichtet. Neben den gesundheitlichen Schäden hat die Tabakindustrie viele weitere Negativauswirkungen, beispielsweise auf Land und Wasser. Dennoch nutzen einige Tabakkonzerne die SDGs für ihre Werbezwecke, indem sie manche wenige SDGs unterstützen und andere, die unter der Tabakindustrie massiv beschädigt werden, außer Acht lassen. Graen stellte die Frage in den Raum: „Kann dieser Zweig, der so viel Schaden anrichtet, überhaupt zu nachhaltiger Entwicklung beitragen?“

Die Fallstudie zum Thema Investitionen stellte Wolfgang Obenland vom Global Policy Forum vor; er sprach über eine Umschichtung von Finanzflüssen hin zu einer „SDG-freundlichen“ Finanzierung. Durch SDG-Bonds, die ähnlich wie Green-Bonds funktionieren, soll die Privatwirtschaft finanziell bei der Einhaltung der SDGs unterstützt werden.

In der anschließenden Podiumsdiskussion sprach Moderatorin Anna Cavazzini, Referentin für Nachhaltige Entwicklungsziele bei Brot für die Welt, mit den Gästen über aktuelle Herausforderungen im Zusammenhang mit den Sustainable Development Goals.

Barbara Sennholz-Weinhardt (Oxfam) nannte 3 Punkte, die für sie entscheidend sind für eine erfolgreiche Umsetzung der SDGs:

  1. Die Unternehmensverantwortung muss gesetzlich verbindlich sein
  2. Es muss eine Umkehrung des Unternehmensmodells erfolgen; weg von Shareholder-Value, denn hier existiert nur 1 statt 3 Säulen der Nachhaltigkeit
  3. Steuergesetzgebungen!

„Warum darf ich als Konsument_in entscheiden, ob ich Produkte mit oder ohne Einhaltung von Menschenrechten kaufe?“, so Sennholz-Weinhardt.

Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin von UnternehmensGrün, betont die Wichtigkeit der Zusammengehörigkeit der SDGs. Es sollten nicht nur einzelne Ziele, sondern möglichst alle 17 SDGs als gesamtheitliches Ziel betrachtet werden. So wird beispielsweise vermieden, dass sich die Konzentration eines Ziels negativ auf die Einhaltung weiterer Ziele auswirkt. „Kaum ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen schafft es, alle diese Nachhaltigkeitsziele zu berücksichtigen. Es gibt aber gute Ansätze: Wenn wir zum Beispiel VAUDE nehmen, Outdoor-Bekleidung, Pionier bei Nachhaltigkeit in vielen Fragen, die haben schon längst angefangen in ihren Nachhaltigkeitsbericht ihre Aktivitäten den einzelnen SDGs zuzuordnen.“

Auch die Verbindlichkeit der Ziele hält Frau Dr. Reuter für extrem wichtig. Die Politik muss hier als Vorbild vorangehen.