Im neunten Teil der insgesamt 12 Blogbeiträge über erfolgreiche und spannende Frauen in der deutschen „New Green Economy“ berichtet Sabine Nallinger, Vorständin der Stiftung 2° – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz in Berlin, über ihre persönliche Entwicklung in Männerdomänen: Verkehrs- und Stadtplanung, Klimapolitik und in der Wirtschaft. Ihr Schwerpunkt liegt auf unternehmerischem Klimaschutz, Verkehr und Mobilitätsmanagement mit zukunftsweisenden Konzepten für eine nachhaltige Wirtschaft und Gesellschaft.

Seit ich denken kann, bin ich in Männerdomänen tätig: Als Verkehrs- und Stadtplanerin, als erste weibliche Kandidatin für das Amt der Münchner Oberbürgermeisterin (die Stadt wird seit 850 Jahren von Männern regiert) und jetzt in der Klimapolitik und in der Wirtschaft. Immer hat mich die Überzeugung angetrieben, dass wir so wichtige Bereiche, die unser aller Leben beeinflussen, nicht allein Männern überlassen dürfen. Dieser Wille, mitzureden, mitzugestalten – egal, ob es unser Leben in den Städten, unsere Regierung und Demokratie oder unsere Wirtschaft betrifft – treibt mich an.

Früh übt sich

Die ersten politischen Erfahrungen habe ich als Schülerin mit meinem Engagement im CVJM in Stuttgart gemacht. Dort wollte ich unbedingt eine Jugendgruppe nicht nur besuchen, sondern auch gleich selbst leiten. Auf meinen Elan, meine Energie und Beharrlichkeit waren die älteren Herren des Vereins, der ja historisch als Vereinigung junger Männer gewachsen war, jedoch nicht vorbereitet: Meine Initiative zur Leitung einer Gruppe empfanden sie geradezu als Affront. Davon habe ich mich aber nicht einschüchtern lassen. Nach einer Anhörung und etlichen Diskussionen habe ich nicht nur die Gruppe geleitet, sondern damit auch zugleich eine Diskussion um die Umbenennung in „Christlicher Verein junger Menschen“ statt „Christlicher Verein junger Männer“ im CVJM Stuttgart angestiftet.

Nicht immer absichtlich bin ich auch danach immer wieder in Bereiche vorgestoßen, die bis dahin männlich dominiert waren. Als meine Mutter und mein Sportlehrer feststellten, dass ich eine ausdauernde Läuferin war, ermöglichten sie mir das Training für den Marathon. Den lief ich dann, als Neunjährige – wieder allein unter Männern. Das ist auch so ein bisschen mein Motto: Wenn man als Frau etwas erreichen will, ist das leider auch bis heute ein Langstreckenlauf, kein Sprint – und ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, mich mit Energie und Chuzpe durchzubeißen. Dennoch habe ich, als ich selbst Positionen und Posten besetzen konnte, immer darauf geachtet, dass andere Geschlechtsgenossinnen es ja nicht ebenso schwer haben müssen und habe sie gefördert wo es eben ging.

Von der Entwicklungshilfe zur Stadtplanung

Bis zum Ende meines Grundstudiums war die Entwicklungshilfe mein berufliches Ziel. Nach einem Praktikum in der Raumplanung in Jakarta, bei dem ich auch einen kritischen Blick auf die Entwicklungshilfe der damaligen Zeit gewann, wechselte ich aber das Nebenfach und arbeitete schließlich nach dem Abschluss meines Studiums in der Verkehrsplanung – in Ingenieurbüros, Planungsreferaten und in der Privatwirtschaft. Meine Erfahrungen aus meiner Kindheit haben mir auch da weitergeholfen, hatte ich es auch hier wieder hauptsächlich mit dem anderen Geschlecht zu tun.

Von der Stadtplanung zur Politik

Auch in der Welt der Wirtschaft und der Politik sind Frauen vor allem in den verantwortungsvollen Positionen immer noch vollkommen zu Unrecht unterrepräsentiert. Natürlich gilt, dass wir Frauen uns auch selbst mehr zutrauen können und sollten. Gegenwind gibt’s immer, auch für Männer, die nach vorne wollen. Von daher: Liebe Frauen da draußen, das ist kein Grund, auf die Bremse zu treten!
Andererseits dürfen wir es uns eben auch nicht zu leicht machen. Natürlich sind es auch lange gewachsene Strukturen, die das begünstigen und an denen sich endlich etwas ändern muss. Umso besser, dass Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel die Unions-Posten in ihrem Kabinett und die Position der Generalsekretärin ihrer Partei jetzt mit sieben Frauen und vier Männer besetzt hat. Ein gutes Signal!

Ich hoffe, dass sich dieser Trend in der Politik und auch in der Wirtschaft mit deutlich zunehmender Geschwindigkeit durchsetzen wird.

Als Vorständin in der Stiftung 2° bewege ich mich gerade als Grenzgängerin zwischen diesen beiden Systemen: Politik und Wirtschaft. Die Stiftung 2° ist eine gemeinnützige Stiftung, die als Plattform und Allianz auf beiden Seiten für den unternehmerischen Klimaschutz wirbt, vernetzt und für Austausch sorgt. Damit nimmt die Stiftung wie ich finde eine wichtige Rolle in diesem Gefüge ein: Ohne die Unternehmen werden wir die im Paris-Abkommen von 2015 gesetzten Ziele im Klimaschutz nicht erreichen. Umgekehrt können die Unternehmen manches Mal ihre Investitionen nicht richtig lenken oder Initiativen zum Klimaschutz nicht umsetzen, weil der ordnungspolitische Rahmen nicht stimmt oder die Planungssicherheit einfach nicht ausreicht. Dieses Zusammenwirken mitzugestalten, zu helfen, Hindernisse abzubauen und so letzten Endes zum Gelingen des Klimaschutzes beizutragen, ist mir ein großes Anliegen. 


Lesen Sie hier den vollständigen Blogbeitrag von Sabine Nallinger. Die Blogserie „12 REMARKABLE WOMEN IN GREEN ECONOMY“ entstand in Zusammenarbeit mit der Women Speaker Foundation und Ecopreneur.eu.