Im fünften Teil der insgesamt 12 Blogbeiträge über erfolgreiche und spannende Frauen in der deutschen „New Green Economy“ berichtet Andrea Bury, Marketing-Expertin, Storyteller und Social Entrepreneur, über ihre Leidenschaft für nachhaltiges Design und die Bewahrung tradionellen Handwerks. Sie ist Gründerin des Social Fashion Business ABURY, der ABURY Foundation und Mitbegründerin des TEDx Marrakesh.

Ich glaube, dass wir mit Design und interkulturellem Austausch die Welt positiv verändern können. ABURY steht genau für diese Brückenbildung zwischen Nachhaltigkeit und Exklusivität bzw. Ethik und Luxus. Aber auch für die Brückenbildung zwischen Tradition und Innovation, zwischen Ost und West. Ich möchte zeigen, dass Nachhaltigkeit Spass macht und bunt ist und wir durch kulturelle Vielfalt unser Leben bereichern. Stil, Qualität und Moral schließen sich nicht aus. Vielmehr liegt die Magie in der Kombination. Die Geschichte hinter jedem handgemachten Produkt berührt unser Herz. Jede Naht und jede Falte erzählt ihre eigene Geschichte, spiegelt die Leidenschaft eines Handwerkers wider, und trägt eine eigene Seele.

Ich bin nicht gerade als nachhaltige Aktivistin geboren. Ich bin als Kind zu McDonald’s und auch zu H&M gegangen, fand Plastiktüten praktisch und hatte ab 18 ein eigenes Auto. Dann wurde Wirtschaftswissenschaften studiert und ich bin im Marketing gelandet. Beginnend mit Al Gore’s Vortrag Anfang der 2000er, habe ich mich mit dem Thema Nachhaltigkeit intensiver beschäftigt. Aber erst als ich 2007 nach Marrakesch zog und direkt mit Situationen konfrontiert wurde, und Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind, ungerecht behandelt fand, begann ich, wirklich aktiv zu werden und nicht nur zu reden.

Transformation through Experience

Meist passieren die besten Dinge ja eher ungeplant, denn wenn man zuviel nachdenkt, werden einem die Schwierigkeiten bewusst und man tut es nicht. Irgendwie wächst man dann hinein. So war es auch bei mir, als ich mich 2013 für ABURY entschied. Fasziniert von den handwerklichen Fähigkeiten und erschreckt über die Lebensumstände der Menschen, wollte ich altes Handwerk bewahren und den Menschen ermöglichen, in ihrem traditionellen Umfeld einen fairen Lohn zu verdienen und sich weiter zu entwickeln, damit sie sich den billigen Kopien aus Asien widersetzen konnten.

Design has the power to change the world

Ich lernte, dass der Craft-Sektor in den Entwicklungsländern der zweitgrößte Arbeitgeber ist. Große Probleme sind Arbeitsbedingungen, Mittelsmänner, die das Geld verdienen und das Design. Viele Produkte sind verhaftet in traditionellen und religiösen Vorstellungen der Artisans. Und doch lieben wir alle individuelle Produkte, die eine Geschichte erzählen, die nicht H&M Massenware sind und die die Liebe, mit der sie gemacht sind, ausstrahlen.

BURY Cycle of Good Design

So entstand der ABURY Cycle of Good Design, um diese Probleme zu lösen.

In einem internationalen Designer Contest suchen wir das beste Designtalent. Der Gewinner bekommt ein Stipendium und geht für 2 Monate zu den Kunsthandwerkern und lebt und arbeitet mit ihnen. In Workshops zu Qualitätsmanagement und Design entsteht eine Kollektion. Diese Kollektion vermarkten wir und re-investieren wieder in Bildungs- und Ausbildungsprojekte der Artisans und ihrer Familien.

Den Glauben nicht verlieren

Was sich jetzt so einfach anhört, hielten viele erstmal für völlig irre. „Welcher Designer soll sich denn bei einem Contest einer Brand bewerben, die keiner kennt?“ und „Wie wollt Ihr denn das finanzieren?“ waren die ersten Reaktionen… 50 Sponsorengespräche später machten wir ein Crowdfunding, denn es fanden zwar alle toll, aber das Risiko des ersten Mals wollte dann doch keiner eingehen – außer Harper’s Bazaar als Medienpartner! Wir schafften es, die gewünschten 20.000 Euro zu erreichen, und legten los. Und mit der Unterstützung vieler Design-Professoren und Online-Blogs erhielten wir Bewerbungen aus 35 Nationen!! Wir hatten den Nerv der Designer getroffen, auch wenn wir klein und unbekannt waren – Designer wollen ihre Fähigkeiten einsetzen, um die Welt ein bisschen besser zu machen und ein einzigartiges Abenteuer zu erleben!

Together we make it fashionable to care

Heute bin ich also sowas wie eine Aktivistin. Unser Ziel ist es, Themen leicht, verdaulich, bunt und doch nachhaltig und laut zu kommunizieren. Wir möchten inspirieren und anstiften. Und „on the way“ verkaufen wir auch noch Produkte, die für diese Geisteshaltung stehen, Arbeit schaffen und Bildung zurückgeben. Seit Mai sind wir eine zertifizierte B Corp und mächtig stolz darauf. Es kann nicht genügend Menschen geben, die ihre jeweiligen Fähigkeiten einsetzen, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Dafür gründen wir gerade den ABURY Circle of Friends – wo jeder das einbringen kann, was er kann und liebt.  Denn nur „Together we make it fashionable to care“.


Lesen Sie hier den vollständigen Blogbeitrag von Adrea Bury. Die Blogserie „12 REMARKABLE WOMEN IN GREEN ECONOMY“ entstand in Zusammenarbeit mit der Women Speaker Foundation und Ecopreneur.eu.