Im zweiten Teil der insgesamt 12 Blogbeiträge über erfolgreiche und spannende Frauen in der deutschen „New Green Economy“ berichtet Alyssa Jade McDonald-Bärtl, Social Entrepreneur und Vorstandsmitglied von UnternehmensGrün, über ihr Ziel Standards für Ernährungssouveränität und Agrarökologie zu beeinflussen. Sie ist Gtünderin des Unternehmens BLYSS GmbH, das den Anbau, die Zertifizierung und den Handel von natürlichem Kakao aus Ecuador, den Philippinen und Papua Neuguinea fördert.

Pro-People UND Pro-Business

Aus meiner Arbeit in ethischen Green-Business-Verbänden und aus meiner eigenen sozialen Unternehmenserfahrung weiß ich, dass wir die Aspekte „pro-Mensch“ und „pro-Business“ nicht getrennt betrachten dürfen. Diese beiden Ideen schließen sich nicht gegenseitig aus – im Gegenteil. Unser Anliegen ist es, eine positive soziale Wirkung zu erzielen, indem wir die Werkzeuge, die uns zur Verfügung stehen, für ein Projekt oder eine Unternehmung nutzen, um dann alle gemeinsam voranzubringen, ohne der Erde Schaden zuzufügen.

Ich habe festgestellt, dass ich den Aufbau und das Management unserer Projekte strukturell anpassen musste, weil der gewöhnliche Standard-Kapitalismus nicht meinen ethischen Vorstellungen oder den Zielsetzungen unserer Projekte entsprach. Es dauerte eine Weile, herauszuarbeiten, was ich tatsächlich erreichen wollte und auf welche Weise. Ich habe dabei Lebenstandards und Lebensweise als KPIs (Key Performance Indicator) bei der Umsetzung unserer Projekte berücksichtigt. Dies beinhaltete beispielsweise die Unterstützung der Bildung für Kinder durch recycelte Laptops mit vorinstallierten Lehrprogrammen, oder, dass die Frauen der Kakao-Familien lernten, Dünger herzustellen, damit sie zum Haushaltseinkommen beitragen und gleichberechtigte Partner in der Gemeinschaft werden konnten. 

Brutto-Inlandsprodukt vs Lebensstandard

In Entwicklungsländern wie jenen, in denen mein Kakao angebaut wird, gab es einen leichten Rückgang der Armut und die Daten zeigen sicherlich ein steigendes Bruttoinlandsprodukt. Allerdings konnten die Lebensstandards dabei nicht mithalten. Das gleiche Phänomen lässt sich in Osteuropa, China, Indien, Vietnam etc. beobachten. Die gewaltigsten Einkommensunterschiede zwischen Arm und Reich gibt es in Brasilien, Mexiko und Chile.

Für mich ist die Entwicklung sozialer Inklusion der Maßstab für den Lebensstandard – nicht das Bruttoinlandsprodukt. Im nachhaltigen Business orientieren wir uns an anderen Zahlen als Volkswirte es gemeinhin tun. An Zahlen, die belegen, dass eine Gemeinschaft gedeiht. Beispielsweise messe ich das Wohlergehen unserer Kakaoplantagen daran, wie viele Krankheitstage die Menschen haben und wie oft die Kinder der Familien zur Schule gehen.

Lassen Sie uns konkret definieren, was inklusives Wachstum ist: Inklusives Wachstum ist eine nachhaltige, breitangelegte Entwicklung über verschiedene Wirtschaftssektoren, die sowohl die Geschwindigkeit als auch die Art und Weise des Wachstums berücksichtigt. Bei unseren Projekten gibt es keine „Hockey-Stick“ Wachstumsraten, sondern üblicherweise ein langsames, über seine Lebensspanne allmählich steigendes Wachstum.

Wir brauchen neue Begriffe für neue Denkweisen, die Erfolg und Höchstleistungen eines Unternehmens in der globalen Arena beschreiben. Soziale Inklusion: Was bedeutet das für Unternehmen, die an nachhaltigen Geschäftsprozessen interessiert sind? Was sind die Key Performance Indicators (KPIs)? Wir brauchen neue Konzepte mit denen wir unseren positiven Impact vermitteln. Was ist z.B. der Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Ungleichheit?

Einkommensschere schwächt Wirtschaftswachstum

Daten der Weltbank zeigen, dass eine Abnahme der Ungleichheit einen direkten Einfluss auf das Wirtschaftswachstum innerhalb von 25 Jahren haben wird. Generell lässt sich sagen, dass eine große Ungleichheit mit armen Haushalten in Verbindung steht, die nicht in der Lage sind, in Gesundheit und Bildung zu investieren. Damit sinkt die Chance, dass die Betroffenen produktive und starke Beitragende in der Erwerbsbevölkerung sind. Wenn man krank und ungebildet ist, kann man seine Erwerbsfähigkeit nicht steigern.

Das sehe ich auf unseren Farmen: Wir kümmern uns um die Bildung und das Wohlergehen jedes einzelnen: Wir haben ein gutes Wachstum, meine soziale Unternehmung floriert und ich kann meinen Arbeitern mehr bezahlen.

Inklusives Wachstum – auch ein Thema für Industrienationen

Wir müssen uns klarmachen, dass inklusives Wachstum nicht nur Kakaoplantagen betrifft. Es betrifft ebenfalls Industrienationen. Es gibt einen Rückgang der Einkommen in der Mittelschicht in vielen entwickelten Ländern und es besteht das Risiko, dass die Betroffenen in der nächsten Generation in die Armut abrutschen.

Nachhaltigkeits-orientierte Unternehmer wie wir, sehen, dass es auf der Welt kein Modell gibt, das aufzeigt, wie man mit den Menschen wächst. Während meiner Recherche habe ich keine BIP-unabhängigen (Brutto Inlandsprodukt) Kennzahlen zu sozial inklusiven Modellen von wirtschaftlicher und menschlicher Entwicklung gefunden. Es liegt an uns, sie zu erarbeiten und zu etablieren.

Sie, Ihre Region und Ihr Team werden mit einer sozial inklusiven Haltung erfolgreich sein. Fokussieren Sie sich darauf, jedem der arbeitet und in sein Leben und seine Zukunft investiert, Chancengleichheit zu gewähren.

Wie leistest Du einen Beitrag zur Weiterentwicklung von Ethik und Green Business?

“Ich versuche, die Veränderung zu sein, die ich mir in dieser Welt wünsche – Zu sagen, was ich tue und zu tun, was ich sage.”


Lesen Sie hier den vollständigen Blogbeitrag von Alyssa Jade McDonald-Bärtl. Die Blogserie „12 REMARKABLE WOMEN IN GREEN ECONOMY“ entstand in Zusammenarbeit mit der Women Speaker Foundation und Ecopreneur.eu.