Unter den Schlagworten Versorgungssicherheit, gemeinsamer Energiebinnenmarkt, Energieeffizienz und  Übergang zu einer dauerhaft CO2-armen Gesellschaft hat die Europäische Kommission am 25. Februar 2015 ihre Pläne für eine europäische Energieunion vorgestellt. Für Maroš Šefčovič, den für die Energieunion zuständigen Vizepräsidenten der Kommission, legt sie den Grundstein für eine klimafreundlichere Wirtschaft und macht Energie für die Bürger Europas „erschwinglicher, sicherer und nachhaltiger.“ Und für seinen Kollegen Miguel Cañete, Kommissar für Klimapolitik und Energie, gibt sie Anstoß, „mehr Energie zu sparen, die Nutzung erneuerbarer Energien auszuweiten und unsere Energieversorgung zu diversifizieren.“

Die Erneuerbare Energien-Branche und Umweltschützer in ganz Europa teilen den Enthusiasmus der Kommission dagegen nicht: So sieht der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) e.V.  in dem angekündigten Ausbau der Gasinfrastruktur zu Lasten der erneuerbaren Energien eine falsche Weichenstellung. Fatal sei außerdem die ausdrückliche Anerkennung von Atomkraft und fossilen Energien als förderungswürdig durch die EU-Kommission: „Auf diese Weise wird massive Verschwendung von Steuergeld für klimaschädliche und gefährliche Energiequellen unterstützt“, warnt BEE-Vorstandsmitglied Rainer Hinrichs-Rahlwes. Auch die Elektrizitätswerke Schönau, UnternehmensGrün-Mitglied und Initiatoren der Kampagne „Kein Geld für Atom – Stoppt Brüssel!“ kritisieren, dass die Atomenergie „ungeachtet der extremen Risiken für Mensch und Umwelt, der exorbitanten Kosten (…) sowie der ungelösten Atommüll-Frage“ nun in Europa ein Comeback feiere.

Die Umweltorganisation European Environment Bureau (EEB) beklagt außerdem, dass den Kommissionsplänen für einen wirklichen Wandel hin zu mehr Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz der Durchsetzungswille fehle: „Um die Herausforderung des Klimawandels und einer sicheren Energieversorgung bewältigen zu können, müssten die Klimaziele für 2030 (…) nach oben korrigiert werden und nicht politisches Kapital darauf verwendet werden, mehr Lieferanten für fossile Brennstoffen zu suchen,“  erklärt Roland Joebstl, EEB-Experte für Energie und Klimawandel.

Eine gemeinsame Energieunion muss mehr als eine „Einkaufsgemeinschaft“ für fossile Rohstoffe sein. Für effektiven Klimaschutz, weniger Abhängigkeit von Energieimporten und eine sichere und saubere Energieversorgung europaweit brauchen wir die Weiterentwicklung von dezentralen erneuerbaren Energiesystemen. Ziel sollte sein, den europäischen Energiebedarf bei Strom, Wärme und Mobilität bis spätestens 2050 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen decken zu können. Dazu müsste Europa den Investitionsstau in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz beenden – und die Ansprüche auf Besitzstandswahrung für Atom und Kohle überwinden.