Anlässlich der wiederkehrenden Debatte um die Gentechnikfreiheit in Deutschland und der aktuellen Vorschläge des Bundeslandwirtschaftsministers zur Umsetzung der Opt-out Regelung trafen am 13. März 2015 in Freiburg mittelständische Unternehmen zusammen. Unter dem Titel „Wirtschaft und Werte: Gentechnikfreiheit als Unternehmenswert sichern“ diskutierten mehr als 40 Unternehmerinnen und Unternehmer mögliche Strategien und gemeinsame Forderungen an die Politik.

Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, dem Verband Lebensmittel ohne Gentechnik und UnternehmensGrün organisiert.

In einer politischen Einführung forderte Alexander Bonde, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, ein gentechnikfreies Land und macht die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichem Anliegen und politischer Realität deutlich: „Einerseits wollen 80 bis 90 % der baden-württembergischen Bevölkerung gentechnikfreie Lebensmittel“, andererseits würden durch aktuelle EU-Regelungen sehr wahrscheinlich weitere Zulassungen von gentechnisch veränderten Sorten kommen. Zudem wies er auf die Möglichkeit eines Opt-Outs Deutschlands hin. Mithilfe dieses Mechanismus können einzelne EU-Mitgliedsstaaten nationale Anbauverbote durchsetzen. Axel Wirz vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau verdeutlichte die hohen Kosten, die durch die Prüfung von Lebensmitteln auf Gentechnik entstünden und durch die Gentechnikfreiheit vermeidbar wären. Im Anschluss entwickelte Alexander Hissting, der Geschäftsführer des Verbands Lebensmittel ohne Gentechnik, Strategien für die Wirtschaft.

Im folgenden  Unternehmeraustausch diskutierten die Unternehmer

  • André Freidler (ALB-GOLD Teigwaren GmbH, Trochtelfingen),
  • Rudolf Bühler (Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall, w.V.)
  • Hans-Jörg Reiss (Fenaco Schweiz und Präsidiumsmitglied von Donau Soja e.V.),
  • Alfons Graf (Taifun, Life Food GmbH, Freiburg)
  • und Gottfried Härle (Brauerei Clemens Härle, Leutkirch, Vorstand UnternehmensGrün)

Handlungsmöglichkeiten und –Strategien zur Sicherung der Gentechnikfreiheit.

Dr. Katharina Reuter, die die Podiumsdiskussion moderierte, fasste die Forderungen der Unternehmer zusammen. Gentechnikfreiheit ist ein großer Wert für die mittelständischen Unternehmen in der Land- und Ernährungswirtschaft. Die konsequente Umsetzung von politischen Maßnahmen, die diesen Wert schützen, ist allein eine Frage des politischen Willens. Dieser Wille muss sich nicht nur in einem nationalen Anbauverbot von gentechnisch veränderten Pflanzen abbilden, sondern auch in der Ausweitung der EU Kennzeichnungsverordnung für gentechnisch veränderte Lebensmittel auf tierische Lebensmittel und solche, die tierische Produkte enthalten. Derzeit werden über 90% der importierten gentechnisch veränderten Pflanzen in Futtermitteln eingesetzt.

Unternehmerisches Engagement für eine langfristig GVO-freie Produktion darf die Bundesregierung nicht aus ihrer Pflicht entlassen, für die Gentechnikfreiheit auf dem Acker in ganz Deutschland zu sorgen. Konsequent wäre in diesem Zusammenhang auch, das Verursacherprinzip so weit zu stärken, dass Gentechnik-Nutzer für alle Folgekosten des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen aufkommen müssen.

Die Badische Bauern Zeitung berichtete von der Veranstaltung. Hier geht es zum Artikel.

Impressionen