„Engagierte Bio-Betriebe, die für mehr Biodiversität auf dem Acker und mehr Tierwohl sorgen, dürfen bei dem geplanten Umweltfußabdruck PEF/OEF nicht ins Hintertreffen geraten“, forderte Katharina Reuter (Geschäftsführerin UnternehmensGrün) am 20. Juni bei der Fachtagung „Bringen neue Vorgaben zur Umweltorientierung die Öko-Lebensmittelwirtschaft unter Druck?“.

In der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin diskutierten rund 70 Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Biolebensmittelwirtschaft mit EU-Kommission und Bundesumweltministerium. Dr. Alexander Beck, Geschäftsführer des Kooperationspartners AÖL e.V., begrüßte die Anwesenden mit der Feststellung, dass ohne ein ökologisches System die Landwirtschaft in Zukunft nicht funktionieren könne und es eine große Herausforderung sei, „eine Welt zu schaffen, die für alle reicht“. Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, wurde von Frau Schmidt-Räntsch (BMUB) vertreten. Sie legte dar, dass das Ministerium auch bei der Einführung von PEF und OEF eine Doppelung zu EMAS oder der Bio-Richtlinie vermeiden und bereits bestehenden Siegel stärken wolle.

Hugo Schally, Abteilungsleiter bei der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission und verantwortlich für den Product Environmental Footprint (PEF) und Organisation Environmental Footprint (OEF) sprach sich dafür aus, Umweltinformationen einfacher an die Konsument_innen zu bringen und einen Binnenmarkt für grüne Produkte zu schaffen. Insgesamt 27 Pilotprojekte sind bereits in Großunternehmen gelaufen, um ein mögliches Modell für PEF/OEF zu entwickeln bzw. zu testen.

Kritik am Verfahren äußerte beispielsweise Henning Osmers-Rentzsch vom UnternehmensGrün-Mitglied Ulrich Walter GmbH/Lebensbaum. Das Unternehmen hätte gerne am Piloten Kaffee teilgenommen, aber für mittelständische Unternehmen sei es zeitlich sowie finanziell nicht möglich (mehr als 30.000 € Kosten für die Pilotphase). Überhaupt seien kleine und mittlere Unternehmen im Prozess kaum beteiligt worden, so dass die bisherigen Ergebnisse die deutliche Handschrift der Industrieinteressen tragen, kritisiert Reuter. Ab 2018 soll die zweijährige Übergangsphase starten, in der die Piloten weiter überarbeitet werden, um die Abläufe und Datenerfassung zu optimieren. Die teilnehmenden Unternehmen wollten u.a. wissen, wie die Kommunikation am Produkt erfolgen soll, falls PEF/ OEF eingeführt werden. Hugo Schally betonte mehrmals, dass die Fragen der Kommunikation noch völlig offen seien und alle Varianten von einem Leistungs- bzw. Ampellabel bis zur Nicht-Kommunikation an Endverbraucher_innen diskutiert werden.

Stimmen aus der Praxis

Die Panel-Diskussion zwischen Schally, Johannes Doms (Geschäftsleitung HiPP), Gerd-Peter Simon (Andechser Molkerei) und Christoph Deinert (Märkisches Landbrot) moderierte Katharina Reuter (UnternehmensGrün). Doms machte klar, dass eine sehr gute Kennzeichnung im Bereich Lebensmittel das Kriterium „bio“ voraussetzen müsse. Gerd-Peter Simon konnte zeigen, dass die Andechser Molkerei weit über einen ökologischen Fußabdruck hinaus auf ganzheitliche Nachhaltigkeitsleistungen setze. Christoph Deinert, Geschäftsführer Märkisches Landbrot und Mitglied bei UnternehmensGrün, bekräftigte den ganzheitlichen Ansatz auch in seinem Unternehmen.

Drängende Fragen diskutiert

Nach der Mittagspause wurde an fünf Tischen drängende Fragestellungen diskutiert. Silvia Ohms von UnternehmensGrün-Mitglied Neumarkter Lammsbräu wollte wissen, welche Risiken Konzepte wie PEF/OEF für die Öko-Lebensmittel-Wirtschaft mit sich bringen. Offen blieb die Frage: Bringt der Aufwand den gewünschten Nutzen oder führt das neue Konzept zu noch mehr Verwirrung oder Greenwashing, die eine Vergleichbarkeit unmöglich macht? Henning Osmers-Rentzsch (Lebensbaum), diskutierte an seinem Tisch darüber, wie man mit Systemgrenzen von Parametern und ihrer Messbarkeit bei PEF/OEF umgehen kann. Als problematisch kristallisierten sich u.a. zu komplexe Systeme, keine Vergleichbarkeit von Daten, fehlende soziale Aspekte und die fehlende ganzheitliche Betrachtung beim Ansatz PEF/OEF heraus. Der Experten-Tisch zur Internalisierung der Kosten und wie man dabei zu einem fairen Wettbewerb kommt, wurde von UnternehmensGrün-Mitglied Thorsten Grantner (OmniCert Umweltgutachter GmbH) geleitet. Ein Ergebnis war, dass umweltschädliche Subventionen abgeschafft und sozialökologische Steuerreformen eingeführt werden müssen – damit die wahren Kosten eines Produkts zum Vorschein kommen.

Das Fazit zogen Katharina Reuter und Alexander Beck im Dialog: „Der Ökolandbau – und damit auch die Bio-Lebensmittel – sind mit ihren positiven Umweltleistungen tief im Vertrauen der Verbraucher_innen verankert“ sind beide überzeugt. Das heißt aber auch, dass ein Umweltfußabdruck für Lebensmittel auf den Leistungen der Bio Branche aufbauen muss.

Die Tagung „Bringen neue Vorgaben zur Umweltorientierung die Öko-Lebensmittelwirtschaft unter Druck?“ richtete UnternehmensGrün gemeinsam mit AÖL e.V. und B.A.U.M. e.V. aus.


Die Präsentation zum PEF und OEF von Hugo-Maria Schally finden Sie hier.

Überblick PEF/OEF Europäische Kommission: http://ec.europa.eu/environment/eussd/smgp