Am 14. Juni trafen sich Unternehmer_innen und politisch Interessierte im taz Café, um bei der 7. Ausgabe der Berliner Unternehmensgespräche zum Thema „Wahre Preise“ zu diskutieren. Swantje Fiedler (FÖS) und Maike Ladehoff, Soil & More International gaben einen kurzen Input zu den Auswirkungen wahrer Preise auf die Unternehmensstruktur und die Lenkungsfunktion von Steuern. Moderiert wurde der Abend von Hannes Koch.

Warum ist das Bahnfahren innerhalb des Landes teurer als manche internationale Flugreise? Warum zahlen wir für Ökostrom mehr als für den Strom aus nicht-regenerativen Energiequellen, obwohl die Energiegewinnung viel „teurer“ für unseren Planeten, Mensch und Natur ist? Eine Antwort: Umweltbelastungen werden zu niedrig besteuert.

Swantje Fiedler vom FÖS sagte: „Bio ist nicht zu teuer, sondern konventionelle Produkte zu günstig!“ Einen Wandel der Wirtschaft und Wirtschaftsweise werde es nicht geben, wenn ökologische Gegebenheiten nicht in die Preisbilanzierung mit einbezogen werden. Ein großer Schritt in Richtung ökologisch-bewusstes Handeln wäre getan, wenn zudem endlich aufgehört würde Umweltbelastungen zu fördern: „Mit 57 Mrd. Euro werden jährlich umweltschädliche Subventionen ermöglicht.“ so Fiedler weiter. Daher fordert das Bündnis „Initiative nachhaltige Finanzreform“ – ein Zusammenschluss aus Organisationen aus Wirtschaft und Gesellschaft, indem sich auch UnternehmensGrün engagiert – unter anderem ein Ende der umweltschädlichen Subventionen. Das Bündnis setzt sich außerdem für ein Umsteuern in der Steuer- und Abgabenpolitik ein.

Maike Ladehoff, Soil & More International, stellte ein Pilotprojekt zur Gesamtkostenanalyse vor. Hierbei geht es darum dieses komplexe Thema vom grünen Tisch in die Realität zu transportieren. Ladehoff machte deutlich, wie wichtig es ist externe Kosten zu internalisieren und zeigte anhand eines konkreten Projektes mit Partnern wie Eosta und EY wie dies praktisch aussieht. Im Zusammenhang des Agrar- und Lebensmittelsektors spielen vor allem Gesundheitskosten und der Boden eine gewichtige Rolle und können zukünftig in der Bilanzierung von Unternehmen zu einer signifikanten Neubewertungen führen. Verschiedene Studien belegen, dass wir weltweit bis zu 80 t fruchtbaren Oberbodens pro Hektar im Jahr verlieren – mit fatalen Auswirkungen auf Mensch und Natur. „Wir können es uns insbesondere in der Landwirtschaft nicht leisten, so weiterzumachen wie bisher. Nicht allein wegen der Folgen für Mensch und Umwelt, sondern auch ökonomisch!“ so Ladehoff, die  mit dem Pilotprojekt auch zeigen konnte, dass sich nur nachhaltiges, umsichtiges Handeln und Wirtschaften langfristig auszahlt.

Fazit: Verbraucher_innen und auch konventionell wirtschaftende Unternehmen sind gefragt, den Wandel der Wirtschaft in Richtung Ökologie voran zu bringen. Einen weiteren großen Hebel bildet die Politik. Das Thema „Wahre Preise“ muss endlich mit konkreten politischen Maßnahmen untersetzt werden, damit die unfaire Marktsituation für nachhaltige Produkte beendet wird. Die nächste Bundesregierung muss folgende Maßnahmen prioritär angehen:

1. Angemessener CO2-Preis
2. Reformation der Dienstwagenbesteuerung
3. Angleichung der Dieselsteuer

Das Format „Berliner Unternehmensgespräche“ ist eine Veranstaltungsreihe von UnternehmensGrün, Gemeinwohl-Ökonomie Berlin/Brandenburg und taz – die Tageszeitung.