Newsletter

Juli 2014

Liebe Newsletter-Abonnent*innen,

das Jahr 2014 ist erst zur Hälfte vorbei und wir müssen bereits jetzt konstatieren: kein gutes Jahr für die Energiewende. Wir kritisieren den EEG-Beschluss nicht nur inhaltlich scharf, sondern auch aufgrund des chaotischen Verfahrens und den (nicht immer lauteren) Mitteln, zu denen die Große Koalition in den letzten Wochen gegriffen hat. Letzten Endes gab es bei der namentlichen Endabstimmung sogar bei der CDU/ CSU 13 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen – bei der SPD lediglich eine Nein-Stimme bei fünf Enthaltungen. Von der Partei, die im Jahr 2000 das EEG mit initiierte, hatten viele mehr Engagement für die Erneuerbaren erwartet.

Das Ergebnis der sogenannten EEG-"Reform" 2014 ist fatal und schon jetzt kündigt sich an, dass weitere Änderungen und Nachbesserungen kommen werden. Das führt zu einer nachhaltigen Verunsicherung der gesamten Erneuerbaren-Branche. Katharina Reuter, Geschäftsführerin von UnternehmensGrün, kommentierte den Beschluss: "Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist derart verklettet mit der Großindustrie und den Energiekonzernen, dass er eine dezentrale Energiewende in Bürger*innenhand abwürgt und damit die historische Entwicklung zu 100 Prozent Erneuerbaren Energien auf unverantwortliche Weise verlangsamt."

Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre unseres Sommer-Newsletters, u.a. zu den Themen EEG-Novelle, Kammerzwang, Energieeffizienz, Veranstaltungen in den Regionen und der Vorstellung neuer Mitglieder.

Ihre Sabine Reichert
Referentin für Kommunikation und Mitgliederbetreuung

EEG: Unternehmererklärung zu Industrievergünstigungen

Der Bundestagsbeschluss zum EEG ist unter anderem deshalb fatal, weil es bei der unfairen Kostenverteilung bleibt. Zukünftig sind 90 Prozent des produzierenden Gewerbes (219 Branchen) berechtigt, Ausnahmen bei der EEG-Umlage zu beantragen. Solidarität sieht anders aus. UnternehmensGrün hatte sich dafür stark gemacht, die Industrieausnahmen deutlich herunterzufahren – durch die Konzentration auf tatsächlich energie- und außenhandelsintensive Unternehmen in Anlehnung an die EU-Strompreiskompensationsliste. Damit hätte die EEG-Umlage für Privathaushalte und den Mittelstand um rund ein Cent pro Kilowattstunde gesenkt werden können.

60 Unternehmer*innen erklärten daher in der vergangenen Woche u.a. über eine Anzeige in der überregional erscheinenden Tageszeitung taz, dass sie die finanziellen Belastungen durch die Energiewende auch ohne staatliche Subventionen meistern können: “Wir fordern keine Subventionen für uns. Im Sinne der Wettbewerbsgerechtigkeit haben wir jedoch ein Problem, wenn die Konkurrenz Subventionen erhält. Erst recht, wenn wir diese finanzieren“, erklärt der Unternehmer Gottfried Härle. “Jeder kleine und mittlere Betrieb, der nicht von den großzügigen Ausnahmeregelungen profitiert, wird derzeit mit 6,28 Cent pro Kilowattstunde Strom zur Kasse gebeten. Allein 1,38 Cent gehen davon auf das Konto der Industrieausnahmen“. Zu welchen Nachteilen diese Problematik führt, veranschaulicht auch Hermann Gütler, Inhaber der Stelzenmühle in Bad Wurzach: “Ich zahle für die Produktion einer Tonne Mehl zwischen sieben und zehn Euro an EEG-Umlage. Eine industriell arbeitende Mühle, die wegen des höheren Energieverbrauchs weitestgehend von der EEG-Umlage befreit ist, zahlt bis zu 20-mal weniger. Die Produkte bieten wir  aber auf dem gleichen Markt und den gleichen Kunden an“, so Gütler.

Die Erklärung mit allen Unterzeichner*innen finden Sie online auf unserer Homepage.

Kammerzwang: UnternehmensGrün reicht Stellungnahme in Karlsruhe ein

Anlässlich der Prüfung der Zwangsmitgliedschaft von Unternehmen in den Industrie- und Handelskammern durch das Bundesverfassungsgericht hat UnternehmensGrün eine ausführliche Stellungnahme in Karlsruhe eingereicht.
Wesentliche Kritikpunkte an dem derzeitigen Kammersystem finden sich im aktuellen Positionspapier unseres Verbandes wieder, z.B. die fehlende Vertretung sozial-ökologischer Interessen und eine mangelhafte transparente Kontrolle durch Dritte (z.B. Bundes- oder Landesrechnungshöfe). Auch widerspricht der Kammerzwang aus unserer Sicht der verfassungsrechtlich garantierten negativen Koalitionsfreiheit.

Energieeffizienz: Ambitioniertes Effizienzziel gefordert

Anlässlich des EU-Gipfels zur Energieversorgungssicherheit am 26. und 27. Juni 2014 haben sowohl deutsche wie auch französische Gewerkschaften, Unternehmen, Umwelt-, Verbraucher-, Entwicklungsorganisationen und Kirchen als "Effizienzbündnis" in einem Brief jeweils an ihre Regierungschefs Angela Merkel beziehungsweise François Hollande appelliert, auf dem Gipfel ein ambitioniertes und verbindliches Energiesparziel zu verabschieden.

Den Appell finden Sie hier.

Am 30. Juni diskutierte Katharina Reuter, Geschäftsführerin von UnternehmensGrün, gemeinsam mit den deutschen Vertreter*innen des Effizienzbündnisses dieses Thema mit Günther Oettinger, EU-Kommissar für Energie. Es gab Kritik an der schwachen Positionierung des Kommissars, denn, so Reuter: "Es braucht ein verbindliches und ambitioniertes Effizienzziel! Die durch die EU-Kommission vorgeschlagenen 27 oder 28 % Energieeinsparung wäre nicht mehr als business-as-usual!"

 

UnternehmensGrün REGIONAL: Prof. Braungart in Hamburg zu Gast

Das Thema "Quo vadis Energiewende? Was bedeuten die Pläne der Bundesregierung für den Ausbau der erneuerbaren Energien? Welche Konzepte gibt es zur Direktvermarktung?" wurde nach einem fachlichen Input von Dr. Tim Meyer, Geschäftsführer Grünstromwerk engagiert diskutiert.

Überraschungsgast des Abends war Prof. Braungart von EPEA, Internationale Umweltforschung GmbH. Braungart, der gemeinsam mit dem Architekt William McDonough das Prinzip "Cradle to cradle" (Von der Wiege zur Wiege) entwickelt hat, sprach darüber, dass es heute nicht darum gehen dürfe, Dinge weniger schlecht zu machen, sondern die Dinge neu, nützlich zu machen. "Es geht um Qualität, es geht darum, nützlich zu sein, es geht um Schönheit." Sein Konzept der Öko-Effektivität begeisterte die Zuhörer*innen. Es gab diverse direkte Anknüpfungspunkte, wie z.B. die cradle-to-cradle zertifizierten Produkte viel stärker von ökologisch orientierten Inneneinrichtern berücksichtigt werden können.

Hier finden Sie den Vortrag von Prof. Braungart. Der Bericht zum Treffen ist auf unserer Homepage online.

 

Neue Mitglieder: Berliner Botschaft

Komplexe Prozesse, Strukturen und Entscheidungen wirken erst dann, wenn sie vermittelt sind. Kommunikation ist dann erfolgreich, wenn die Information als verständliche Botschaft denjenigen erreicht, den sie überzeugen soll. Und Qualität ist die Leidenschaft, nur das Beste zu geben. Unser Mitglied die Berliner Botschaft schafft Mehrwert für ihre Kunden durch Kreativität, frische Ideen und nachhaltige Kampagnen. Zu ihren Kunden gehören unter anderem die Agentur für Erneuerbare Energien, der Bundesverband Windenergie und die Naturfreunde Deutschland. Wenn Sie den neuen Webauftritt von UnternehmensGrün bereits wahrgenommen haben – auch dieser ist ein Arbeitsergebnis der Botschaft. Wir danken an dieser Stelle für Design und Umsetzung der neuen Homepage! Das Leistungsspektrum der Agentur umfasst Media Relations, CSR, Design (Print / Online), Publishing sowie Digital Dialogue.

Termine: Regionalgruppen, Jahrestagung und Juniorenfirmen

11. Juli | Abschlussveranstaltung Junioren Stuttgart
18. Juli | UnternehmensGrün REGIONAL Ruhrgebiet
08. September | UnternehmensGrün REGIONAL - Köln - Bonn
10. - 11. Oktober | SAVE THE DATE Jahrestagung und Mitgliederversammlung

In eigener Sache: Praktikant*in für Geschäftsstelle in Berlin gesucht

 

Ab sofort suchen wir für unsere Geschäftsstelle in Berlin eine*n Praktikant*in zur Mitarbeit in unserem Juniorenfirmenprojekt. Das in der nachhaltigen Bildung verortete Projekt "Juniorenfirmen auf dem Weg zum nachhaltigen Wirtschaften" ermöglicht es Jugendlichen, ein eigenes Nachhaltigkeitsprojekt in einem Unternehmen zu verwirklichen. Die Stelle umfasst die Bereiche Mitarbeit in dem Projekt "Nachhaltige Juniorenfirmen", Social Media Kommunikation, Veranstaltungsmanagement und Unterstützung des allgemeinen Tagesgeschäfts. Das Gesuch darf gerne an geeignete Kandidat*innen weitergeleitet werden. Weite Informationen gibt es auf unserer Homepage.

 

P.S.: UnternehmensGrün hat Geburtstag gefeiert! Wir haben uns sehr über die Glückwünsche zum 22jährigen Bestehen via twitter und facebook gefreut. Hier ein Foto von der Begrüßung zur 1. Jahrestagung des Verbandes im Jahre 1992 durch Rolf Bach.