Newsletter

Dezember 2014

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Liebe Newsletter-Abonnent*innen,

ein bisschen Glitzer und Glamour für das Thema Nachhaltigkeit – dafür wurde in Düsseldorf im Rahmen des 7. Deutschen Nachhaltigkeitstages gesorgt. Zum Netzwerken waren u.a. die UnternehmensGrün-Mitglieder memo (Jürgen Schmidt) und Altop-Verlag (Fritz Lietsch) gekommen, s. Foto. Viele der Beiträge im Konferenzprogramm zeugten aber davon, dass es noch ein langer Weg zur ehrlich verstandenen ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit ist. So bezog sich IOC-Präsident Bach in seinem Statement vor allem auf die finanzielle Nachhaltigkeit von Sportveranstaltungen wie Olympia – ohne dabei auf die drängenden ökologischen und sozialen Fragen einzugehen.

Um ein Umdenken geht es in unserer Veranstaltung „Solider Mittelstand statt Big Business“ mit der Gemeinwohlökonomie Berlin am 5.12.2014. Der Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick wird sein Buch zur Machtwirtschaft zur Diskussion stellen. Anmeldungen sind noch möglich, bitte senden Sie eine Email an: Sabine Reichert.

Sie lesen außerdem über die Energiesparpotenziale deutscher Unternehmen, nachhaltige Beschaffung und den Protest gegen Staatshilfen für Atomkraftwerke, Stichwort Hinkley Point C.

Das Team von der UnternehmensGrün-Geschäftsstelle wünscht Ihnen und Ihren Familien eine besinnliche Adventszeit und ein nachhaltiges Weihnachtsfest.

Ihre Katharina Reuter

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Nachhaltige Beschaffung: It´s so easy to be green

It´s not easy to be green? Doch! Zum Beispiel durch nachhaltige Beschaffung. Denn eine nachhaltige Beschaffung stellt die Einhaltung von sozialen und ökologischen (Mindest-)Anforderungen über die ganze Lieferantenkette sicher. Das bedeutet Prozesse, Produkte und Dienstleistungen zu beziehen, die möglichst geringe Umwelt- und Sozialbelastungen hervorrufen. Einen ganzheitlichen Ansatz in Sachen nachhaltiger Beschaffung verfolgt unser Mitglied memo AG. Bei der Auswahl ihrer Produkte achten sie unter anderem auf ressourceneffiziente Herstellung, Recyclingfähigkeit bzw. problemlose Rückführung des Produktes in natürliche Kreisläufe und sozialverträgliche Arbeitsbedingungen. Da memo nicht nur Produkte beschafft, sondern auch an andere liefert, ist das Unternehmen außerdem bestrebt, seinen eigenen ökologischen Fußabdruck weiter zu verringern. Ein Beispiel dafür ist die „memo Box“ – ein Mehrweg-Versandsystem, durch das der Verbrauch von Verpackungsmaterial gesenkt wird.

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Studie: Regierung ruft Energieeffizienzpotenzial nicht ab

Aus einer Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) geht hervor, dass durch eine verbesserte Energieeffizienz in deutschen Unternehmen ein CO2-Einsparungspotential von jährlich 23 Millionen Tonnen möglich wäre. Der SPIEGEL ONLINE-Autor Stefan Schultz befürchtet jedoch, dass die Bundesregierung nicht dazu beiträgt, dieses Potential auszuschöpfen, da sie bisher lediglich halbherzige Maßnahmen zur Energieeinsparung beschlossen hat. Anfang dieses Monats soll der „Nationale Aktionsplan Energieeffizienz“ vorgestellt werden. Dieser sieht die Schaffung von Energieeffizienz-Netzwerken vor, in denen sich mehrere Firmen ein gemeinsames Sparziel setzen und dieses durch Zusammenarbeit erreichen. Von Experten wird dies als unzureichend bewertet. In der ISI-Studie werden neben dem großen Beitrag zum Klimaschutz die wirtschaftlichen Vorteile von Effizienzmaßnahmen in den Vordergrund gerückt. Aus einer Investitionssumme von 15 Mrd. EUR würden jährliche Einsparungen von 5 Mrd. EUR resultieren.

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c2c: Ein Bürostuhl zum Aufessen?

Nein, zum Aufessen ist der Bürostuhl der Stoll Giroflex AG nicht, aber zertifiziert mit dem Cradle-to-Cradle Zertifikat Silber. Die reinen Materialien sind am Ende des Produktlebenszyklus weitgehend ohne Verlust in ihre technischen Kreisläufe rückführbar. Die auf diese Weise erreichte Ökoeffektivität sucht seinesgleichen. Dahinter steckt die Idee „Von der Wiege bis zur Wiege“ - die eingesetzten Ressourcen sollen nach Ende des Produktlebenszyklus in die biologischen und technischen Kreisläufe zurückgeführt werden. Somit gehen keine Rohstoffe verloren und es entsteht kein Abfall im herkömmlichen Sinne.

Das Cradle-to-Cradle-Konzept wurde 2002 von Michael Braungart und William McDonough entwickelt. Das Konzept basiert auf einem Begriff, der in der 1970er Jahren durch den Schweizer Unternehmens- und Politikberater Walter R. Stahel eingeführt wurde. U.a. das UnternehmensGrün-Mitglied Stoll Giroflex AG hat sich dem Cradle-to-Cradle-Konzept verschrieben. Seit 2010 erhält Giroflex für seine Produkte regelmäßig die Zertifizierung der Environmental Protection Encouragement Agency (EPEA), so auch in diesem Jahr.

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Protest: Gegen Staatshilfen für AKW

Die Stromrebellin und Umweltpreisträgerin Ursula Sladek (EWS Schönau) rief im Oktober in einem Offenen Brief die Bundeskanzlerin dazu auf, sich gegen eine massive staatliche Subventionierung des neu geplanten Atommeilers „Hinkley Point C“ in Großbritannien einzusetzen. Auf diese Weise bezuschusse der Britische Staat eine Risikotechnologie für die kommenden 35 Jahre mit 11,8 c/kWh inklusive eines zusätzlichen Inflationsausgleichs. Damit soll Atomstrom weitaus höher gefördert werden als zum Beispiel Solarstrom. Nachdem die EU-Kommission entgegen weitreichender Proteste aus der Zivilbevölkerung den Bau mit knapper Mehrheit genehmigte, kündigte die Regierung Österreichs an, eine Klage gegen die Entscheidung beim Europäischen Gerichtshof vorzubereiten und einzubringen. Die EWS Schönau als langjähriges UnternehmensGrün-Mitglied würde eine solche Klage aktiv unterstützen und gegebenenfalls einen bundesweiten Klagefonds ins Leben rufen.

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O-Ton: Realwirtschaftliche Wertschöpfung statt Finanzkapitalisierung

Uwe Asbach, Leiter des Geschäftsfelds Wohnungswirtschaft bei Kieback & Peter, sagt: „Wir müssen die realwirtschaftliche Leistung wieder in den Vordergrund des wirtschaftlichen Handelns stellen. Finanzkapitalisierung darf nicht lukrativer als realwirtschaftliche Wertschöpfung sein. Deshalb müssen wir steuerpolitisch einzugreifen.“

Heute werden Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung im Rahmen der Unternehmens- und Einkommensteuer höher besteuert, ...

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Neue Mitglieder: Die Gesellschaft für Ressourcenschutz

Seit 1989 prüft und zertifiziert die Gesellschaft für Ressourcenschutz (GfRS) mit Sitz in Göttingen ökologische Produkte. Zurzeit werden rund 2.500 Betriebe und Unternehmen durch die GfRS begutachtet. Ihre Produkte sind in Echtzeit auf einer eigenen Datenbank einzusehen. Neben der Begutachtung von Betrieben und Produkten setzt sich die Gesellschaft für die Forschung im Bereich Zertifizierungsprogramme ein und berät Behörden und Systemträger bei der Implementierung von Nachhaltigkeitsstandards. Die GfSR engagiert sich zudem in umweltrelevanten Initiativen. Dazu gehört unter anderem ein Projekt gegen den Klimawandel sowie eine Anti-Fraud-Initiative, die den Betrug mit ökologischen Produkten verhindern möchte.

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Rezension: Murks? – Nein Danke

Ist Ihnen schon mal Elektrogerät kaputt gegangen, noch bevor oder kurz nachdem die Gewährleistungsfrist abgelaufen war? Dann ist Ihnen der Murks bereits begegnet. Geplante Obsoleszenz nennen Expert*innen das Phänomen der sehr kurzen Lebenserwartung moderner Produkte. Darüber schreibt Stefan Schridde in seinem Buch „Murks? – Nein Danke“, das vor Kurzem im oekom Verlag erschienen ist. Auch wenn der Murks in unserer Wegwerfgesellschaft alltäglich erscheint, damit abfinden müssen wir uns nicht. Unter anderem liegt dem Buch eine „MURKS.LUPE“ mit einer Checkliste für zukünftige Einkäufe bei. Ebenfalls existiert bereits eine Internetcommunity, in der via „MURKS.MELDER“ Erfahrungsberichte ausgetauscht werden können. Alles in allem gibt Schriddes Buch eine echte Einkaufshilfe an die Hand – bereits vor Weihnachten zu empfehlen!

oekom verlag München, 2014
ISBN: 9783865816719
Preis: 19.95 €

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